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Im deutschen Reich · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. 363

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Juden im Weltbild
Date
1910-05-01
Page
363 (sequence 7)
Language
German
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Die Juden im ^Weltbild. 363 Die äußeren Schranken sind just vor eurem Jahrhundert gefallen. Der Geist der großen französischen Revolution war siegreich über die Lande gezogen, und sein Diener und Vollstrecker, der erste Napoleon, hatte die Mauern der deutschen Ghetti niedergelegt. In Preußen verlieh man 1812 den Juden das Bürgerrecht. Sie besiegelten das neue Bündnis durch das Blut, das sie in den Freiheitskriegen für das Vaterland vergossen. Blut soll ein Kitt sein, stärker als Eisen. Aber es erwies sich als nicht stark genug, den Juden auch nur den Fortbesitz und die Entwicklung des eben erworbenen Rechtes zu sichern. Die Diplomaten zerpflückten, was die Not geeint hatte. Der berüchtigte Wiener Kongreß, der auch die Freiheits- Hoffnungen deutscher Patrioten zu Grabe trug, gab beu Juden statt der erhofften Allgemeinbestätigung ihrer wohlerworbenen Rechte nur „die Aussicht auf den vollen Genuß der bürgerlichen Freiheit und die Erhaltung der ihnen in den Einzelstaaten bereits eingeräumten Rechte". Soll ich nun noch ein Wort zu dein sagen, was uns zeitlich am nächsten liegt? Es ist wenig und ist wenig erfreulich. Man brach die Zugeständnisse, selbst diese geringen Zugeständnisse aus den Zeiten der Nor. Lübeck und Bremen trieben die neuangesiedelten Juden aus, in Hannober und Mecklenburg unterwarf man sie wiederum der ganzen Strenge der mittelalterlichenrBeschränkungen, und auch Preußen zog einen großen Teil der 1812 gemachten Zusagen wieder zurück. Der versprochene Zugang zu den akademischeni Lehrämtern ivurde ihneil vorenthalten, und mail nahm den Tapferen, die 1818 fürs Vaterland ins Feld gezogen waren, selbst die damals erworbenen Ehrenstellungen nild Ansprüche. Die das traf, das warerl nicht die rückständigeil Juden des Ghetto, sondern die Männer und Frauen, deneil die Uebersetzung des Pentateuch durch Mendelsohn eine Muttersprache und ein Vaterland gegeben hatte. Hören wir, was Braun in seiner 'Geschichte der Jilden darüber sagt: „So sah der deutsche Jude, welcher bereits geglaubt hatte, durch Aufklärung und Bildung ganz und gar in seiner Zeit lind in seinem Vaterlände heimatberechtigt geworden zu sein, sieb, von neuern aiisgestoßen aus der Gemeinschaft der

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