Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Die Juden im Weltbild
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 364 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Im deutschen Reich. Menschen, mit denen er sich auf den wichtigsten Lebensgebieten eins fühlte . . . Das Geschlecht, welches in dem Morgenlichte der jüdischen Aufklärung und Bildung gereift und einzig für die Teilnahme an der vaterländischen Arbeit erzogen war, fühlte sich plötzlich geistig und sittlich entwurzelt und erblickte in seiner Herzensangst keinen anderen Weg vor sich als den, ohne religiöse Nötigung und mit dem schmerzlichen Bewußtsein der Untreue im Herzen und der Lüge auf den Lippen den väterlichen Glauben zu verlassen." Nicht alle aber taten so. Auch unter den Juden fanden sich Männer, die dem törichten, auch heute leider noch und immer wieder -aufrecht erhaltenen Gebot zum Trotz, daß ein Jude kt eigner Sache in der Oefsentlichkeit nicht das Wort ergreifen dürfe, die Fahne des Judentums hochhielten und laut und öffentlich das Menschenrecht der Inden reklamierten. Der Tapfersten einer war Gabriel Rießer. „Nichts von Rechtfertigungen und Zugeständnissen" heißt es in seiner Schrift: Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland. „Man hat nicht das Recht, uns der Unfähigkeit oder Unwürdigkeit zu beschuldigen, während man selbst uns widerrechtlich verhindert, unsere Befähigung und Würdigkeit zu betätigen. Nichts von Konzessionen und Einzelrechten! Sie würden die alte Schmach nur durch neue Demütigungen erneuern und verlängern. Das ist eben die Bedeutung, das die Aufgabe unseres heutigen Kampfes, daß wir ohne eine andere Waffe als die der Humanität, ohne einen anderen Stolz als den der Menschenwürde, allem verjährten Vorurteil, allem Uebelwollen zu begegnen haben., Es handelt sich dabei nicht um zu vermehrende Rechte, um zu verringernde Lasten. Wir wollen keine Abgabe erlassen haben, als die der religiösen Lüge? Wir wollen nichts, als daß man uns so behandle, wie wenn wir einen Schritt getan hätten, gegen den sich unser Gewissen sträubt." Und welch ein guter Deutscher war dieser gute Jude! „Bietet mir mit der einen Hand die Emanzipation (der Juden), auf die alle meine innigsten Wünsche gerichtet sind, in der anderen die Verwirklichung des schönen. Traumes von der politischen Einheit Deutschlands mit seiner poli-