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Im deutschen Reich · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. 360

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Juden im Weltbild
Date
1910-05-01
Page
360 (sequence 4)
Language
German
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360 Im deutschen Reich. fahren bei Wanderung und der gefräßigen See zum Opfer fielen. 300 000 Gläubige, die ein einfaches Wort vor dem Abgrund gerettet hätte. Aber dies Wort wäre ein Meineid, Untre der Abfall vom Glauben der Väter gewesen, und so blieb es ungesprochen. Wahrlich ein Mene Tekel für diejenigen unserer heutigen Glaubensgenossen, die nur viel Geringeres Glauben und Ehre von sich abtun. Die spanischen Juden aber, die die Heimat nicht lassen mochten, traten scheinbar zum Christentum über. Mit ihnen hebt die bekannte, gleichfalls von der spanischen Inquisition zur größeres! Ehre Gottes in Szene gesetzte Tragödie der Marannen, der sogenannten Scheinchristen, au. Verlassen wir sie und wenden unsere Blicke beut übrigen Europa zu. Verfolgungen und Bedrückungen minderen Grades geleiten auch hier das Judentum während der ersten Jahrhunderte des Mittelalters. Eine Freistatt fanden sie für einige Zeit in den der Pyrenäischen Halbinsel benachbarten Teilen Südfrankreichs. Die Namen Lunel, Montpellier sind Sterne am Himmel der Judenheit, bis die Sendboten des Papstes Jnnoeenz II., der auch zur Geißel der Juden Italiens wurde, beit Frieden dieses Asyls für immer zerstörten. Die erste allgemeine Judenverfolgung im mittleren Europa aber und insbesondere in Deutschland fallt mit den Kreuzzügen zusammen. Bis dahin hatten sie verhältnismäßig unbehelligt gelebt, insbesondere war von der gesellschaftlichen Kluft, die in unseren Tagen auch den gebildeten, geistig zumindest gleichstehenden Juden von seinen Klassengenosfen scheidet, noch wenig zu spüren. Der Gesandtschaft, die Karl der Große zu Harun al Raschid schickte, war ein Jude beigeordnet, und der Zufall wollte es, daß er, als der einzige Ueberlebende der ganzen Expedition, seinem kaiserlichen Herrn den Dank und die Gegengaben des orientalischen Fürsten übermitteln mußte. Die Juden konnten Ackerbau, alle Handwerke und Gewerbe betreiben. Da sie aber als Fremdlinge von der Heeressolg e befreit und wenig seßhaft waren, wurde ihre Hauptbeschäftigung allmählich der Handel. Dazu kam die Verordnung bzw. das apostolische Gebot, das den Christen jener Frühzeit das Zinsnehmen untersagt-e. Dadurch wurden die Juden zu den natürlichen Trägern des

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