Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Die Juden im Weltbild
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 359 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Juden int Weltbild. 3=s<? den Stätten „wo die Sonne 51t er ft den Himmel vor uns ausschloß". Diese Blütezeit erstreckte sich über etwa zweieinhalb Jahrhunderte von 750 bis 1000. Aber auch noch lange n a ch d e r P e r d r ä u g u n g der Mauren lebten die Juden vergleichsweise unbehelligt auf der iberischen Halbinsel, und die glanzvollen Namen eines Jehuda ha Levi, des National dichters der Juden, eines Moses Maimonides sind des Zeuge. Zu jener Zeit sind die edelsten Geister des Judentums erfüllt von der göttlichen Mission ihres Volkes. Ihnen erscheint die Zerstreuung Israels unter den Völkern nur als ein Beweis mehr für seine Mission der Ausbreitung der Gotteserkenntnis über die ganze Welt. „Der Islam und das Christentum erziehen vorläufig die Menschheit, damit sie fähig werde, einst das wahre göttliche Licht in Israels Hand zu erkennen/' (Braun. Geschichte der Inden, II. S. 113.) Das ist der Glaube, der sie beseligt und durchleuchtet, und der sie getrosten Mutes den Verfolgungen die Stirne bieten läßt, die, angefacht durch eine unduldsame, fanatische und grausame Geistlichkeit unter Ferdinand von Aragonien und seiner Frau, der blutigen Jsabella von Castilien, gegen das Ende des 15. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichten. Noch Jakob I. von Aragonien hatte nur durch Milde und Belehrung die Juden zürn Christentum bekehren wollen. Die „Priester der Liebe" aber begannen etwa um das Jahr 1350, zu schärferen Mitteln zu greiseck. La Messe ou la mort! Das wurde auch hier das Feldgeschrei, aber ein Tod mar es, dem unsagbare Folterqualen voraufgingen. Durch Jahrhunderte loderten hu Reiche der aller christlichsten Könige die Scheiterhansen, nu'itete die Inquisition. Eine einzige bange Bartholomäusnacht war in jenen Zeitläuften das Dasein Israels, und als ein Schandpfahl ragt der Name eines Torquemada in die Geschichte. 1492 kam das Ende, ein Ende mit Schrecken. Etwa 300 000 Menschen traf der damals erlassene Ausweisungsbefehl. 300'000 Land flüchtige, die den größten Teil ihren Habe, und die mehr, die über alles geliebte Heimat hinter sich lassen mußten. 300 OOO Verfolgte, die hinauszogen in Nacht und Tod, in Gefahr und Vernichtung, und von denen nur ein Bruchteil zu neuen gastlichen Gestaden gelangte, während die anderen den Ge-