Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. 346

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Vergiftete Seelen [Rezension]
Date
1910-04-01
Page
346 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316796-2343108--20286-2343188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

346 Im deutschen Reich. worden sei, habe entweder seine eidliche Erhärtung vor Gericht bereits erfahren, oder tonne durch einwandfreie Zeugen jederzeit bewiesen werden. Nun sind seinerzeit die Juden von dem polnischen Schulftreik in keiner Weise berührt worden, und wir würden den „Vergifteten Seelen" kaum eine Beachtung geschenkt haben, zumal das Buch sich uns als ein literarisch völlig wertloses, tendenziöses Machwerk darstellt, das gar nicht als „Roman" bezeichnet zu werden verdient, wenn nicht der Verfasser in seinem Elaborat auch einen Juden auftreten ließe, der uns als eine krasse Karrikatur erscheint, und in uns das Gefühl erweckt würde, daß der „Romanschreiber" von den niedrigsten Vorurteilen gegenüber Juden und Judentum erfüllt ist und mit Absicht und planmäßig daraus ausgeht, diese zu schmähen und zu verunglimpfen. Der Verfasser schildert die damaligen besonderen Vorgänge in dem Dorfe „Kowalino", übrigens ein Ort, der, wie ausdrücklich erklärt wird, nicht einmal in Wirklichkeit existiert und nur der Phantasie des Herrn Schulinspektors entsprungen ist. Hier läßt er neben mehreren polnischen Wirten auch einen jüdischen Gastwirt wohnen, Scholem Meyer mit Namen. Dieser Scholem Meyer ist Besitzer des „Hotels zum Kaiserhof" und nennt, wie der Verfasser ihn sagen läßt, sein „Etablissement" nur deshalb „Hotel", weil die Niederschrift dieses Wortes billiger sei. Denn jeder Buchstabe koste fünfzehn Pfennige, und er erspare somit sünfundvierzig Pfennige! Während nun die nichtjüdischen Gastwirte in keiner Weise handelnd hervortreten, wird der jüdische Wirt mit sichtlichem Behagen karrikiert. Hat schon der Verfasser dargetan, daß er nicht das Zeug besitzt, e.inen „historischen Roman" zu schreiben, so hat er hier besonders bewiesen, dast er weder das Milieu, noch die charakteristischen Eigentümlichkeiten der Person, die er zu schildern sich abmüht, kennt. Wie der Verfasser es darstellt, so lebt und spricht gottlob in unseren Tagen der Posener Jude nicht mehr, und wohnte er selbst in — Kowalino! Auch ist im allgemeinen sein Verhalten gegenüber politischen Bewegungen ein ganz anderes, als es der Romanschreiber seine Leser glauben machen will. Es lag ihm jedoch daran, den Juden mißliebig zu machen, dantir er ungeeignet und unfähig erscheine als Mitkämpfer für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.