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Im deutschen Reich · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. 347

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Vergiftete Seelen [Rezension]
Date
1910-04-01
Page
347 (sequence 4)
Language
German
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Bücherschau. 347 ba-3 Deutschtum. Es sollte auf Scholem Meyer mit Nachdruck hingewiesen werden, der klugerweise in den ominösen Streit, der in der Hauptsache doch wohl nur ein religiöser war, eine völlig neutrale Stellung einnahm, damit der Ruf: „Seht, so sind die Juden!" einen Schein von Berechtigung erlange. Der Verfasser apostrophiert „seinen" Scholem Meyer überall nicht anders als mit „der Jude". Wo dieser geht oder steht, wos er nur tätig ist, da ist er „auf ain faines Geschäft", auf „Rebbes" und „Schmu" bedacht. Frau Meyer wird nirgends anders als „Mamme" genannt. Das schauderhafte Idiom aber, das der Verfasser seinen Lesern auftischt, wenn er die Mehersche Familie vorführt, charakterisiert weniger diejenigen, die es selbst sprechen, als den, der es sie sprechen läßt. Hätte der Verfasser wenigstens noch einen Juden auftreten lassen, und hierbei das Bestreben gezeigt, insofern Gerechtigkeit zu üben, als er diesen im Gegensatz zu Scholem Meyer, der als einfacher Mann eine strenge Neutralität bewahrt, das staatsfeindliche Verhalten der Polen scharf verurteilen läßt, der „mehr Rückgrat" zeigt. Aber das lag keineswegs in der Absicht des Verfassers, dessen Logik ganz wunderliche Blüten treibt. Erklärt er doch in fernem Einleitung, daß er für seine Darstellung ein „historisches Material" zu erbringen in der Lage sei. Sonderbarerweise liefert er für das Verhalten des Juden Scholem Meyer aber keine einzige Unterlage; also muß angenommen werden, daß diese Person und alles, was sie denkt undtut, frei erfunden und lediglich der nicht ganz klaren, aber um so ausschweifenderen Phantasie ihres Schöpfers entsprungen ist. Der „mutige" Verfasser nennt sich „Armin von Eulendorf". Wahrlich, nicht besser kann er sein Verhalten charakterisieren! Der „tapfere Germane" zieht sich in das „Eulendunkel" zurück, um von hier aus ungesehen biedere und strebsame Mitbürger zu schmähen und sie der Verhöhnung und Verachtung preiszugeben, damit sie es beileibe nicht mehr wagen, den Anspruch zu erheben, als gleichberechtigte Mitkämpfer für erhabene vaterländische Güter anerkannt und herangezogen zu werden. Zu bedauern ist, daß die „Vergifteten Seelen" bereits in den öffentlichen Bibliotheken Eingang gefunden haben; denn gerade durch ein solches Machwerk werden die Seelen der Leser vergiftet, und was der

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