Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 330 (sequence 6)
- Language
- German
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330 Iw deutschen Reich. als indem wir das Zusammengehörigkeitsgefühl unter unseren deutschen Volksgenossen kräftig pflegen und fördern." — Das ist das wahre Gesicht des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes — bis jetzt war es nur die Maske! — Am 4. März hat die 7. Strafkammer des Landgerichts I gegen den Redakteur des „Reich" und der „Staatsbürgerzeitung", Dr. Hermann O e st e r r e i ch er, wegen wiederholter Beleidigung und gegen seinen Gewährsmann, Kanzlist Hugo Wilhelm, wegen verleumderischer Beleidigung verhandelt. Gegenstand der Anklage war ein „Berliner Kirchenpleite" überschriebener Artikel, der am 26. Oktober vorigen Jahres in der Zeitung „Reich" erschienen war. In der Anklage führt der Staatsanwalt aus: „Niemand in diesem Saale werde daran zweifeln, daß die Erzählung des Wilhelm, die dann in das „Reich" übergegangen, von A bis Z aus den Fingern gesogen ist. Wilhelm habe wider besseres Wissen die sehr beleidigenden Tatsachen verbreitet. Der Staatsanwalt beantragte gegen Wilhelm 100 M. Geldstrafe oder 20 Tage Gefängnis. Or. O e st e r r e i ch e r habe in recht leichtfertiger Weise die Sache ausgenommen und durch das im zweiten Artikel enthaltene Anzweifeln der Wahrheitsliebe des Pfarrers Flöß und des Gemeindekirchenrats eine schwere Beleidigung ausgesprochen und angesehene, ehrenwerte Männer bloßgestellt. Gegen ihn sei eine Geldstrafe von 400 M. eventl. 40 Tage Gefängnis am Platze. Der Gerichtshof erachtete für erwiesen, daß die ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende erlogen sei und verurteilte den Angeklagten Wilhelm aus § 187 zu 100 M. Geldstrafe, Dr. Oesterreicher aus § 186 zu 300 M. Geldstrafe. — Die „Freisinnige Zeitung" schreibt: „Ein gründliches Fiasko erlebte der antisemitische Abgeordnete Binde Wald jüngst in einer Versammlung zu Schlitz, einem Orte seines Wahlkreises Alsfeld-Lauterbach. Schon bei dem Eintritt in den Saal bemerkte man, daß keine Stimmung mehr für den Herrn herrsche. Von seinen einigen hundert ehemaligen Wählern war auch nicht ein einziger zu bewegen, den Vorsitz zu übernehmen. Sein den Anwesenden unbekannter Begleiter leitete dann die Versammlung. Die Bemühungen Bindewalds, sein Verhalten bei der Abstimmung über die Finanzresorm in ein gutes Licht zu setzen, waren erfolglos. Zwischenrufe