Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 320 (sequence 6)
- Language
- German
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320 Im deutschen Reich. verloren hat, sich am Gängelband der agrarischen 3imi]emiteu weiter leiten zu lassen. Wie sich der Bauernbund immer weiter ausbreitet, um seine nicht mit den Zielen der Großgrundbesitzer identischen Interessen selbst zu vertreten, und wie er Zwar nicht mir dem Antisemitismus, aber doch mit dem Bunde der Landwirte vollständig gebrochen hat, so suchen und finden die Mitglieder der Mittelstandsvereinigung jetzt einen Stützpunkt in dem Hansalbrrnö, der ihnen Besseres bietet, als sie von den Tivoli-5konservativen erlangt haben und jemals erlangen tonnten. Die Handwerker und Gewerbetreibenden haben sich lange Jahre hindurch von antisemitischen Söldlingen goldene Berge und eine unmögliche Rückkehr zum veralteten Zunftwesen vorzaubern lassen, dafür oft frühere freiheitliche Ideale preisgegeben, mit Geldopfern und mit ihren Wahlzetteln Dunkelmännern und politischen Rückschrittlern zu Mandaten verholfen, sich selbst aber damit geschadet, weil die parlamentarischen Beschlüsse zur Verteuerung aller Rohprodukte führten, die den kleinen Gewerbetreibenden konkurrenzunfähig macht. Zu dieser Verblendung wurde der Antisemitismus benutzt, der eine im Grunde lächerliche Furcht vor dem jüdischen Wettbewerbe systematisch verbreitete und nur den Unternehmungsgeist des christlichen Bürgers lähmte und hinderte, sich durch Selbsthilfe und durch Anpassung an die modernen wirtschaftlichen Verhältnisse emporzubringen. In verdienstlicher Weise hat bei der zweiten Lesung des Etats des Handelsministeriums im preußischen Abgeordnetenhause am 8. März der jüdische Abgeordnete R o se n o w von der Fortschrittlichen Volkspartei diese Fragen erörtert. Er ist dabei energisch für eine v e r stü nd i g e H a n d - Werker Politik eingetreten, hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, wie stark gerade Handwerk und Industrie durch die heutige Schutzzollpolitik und durch die Besteuerung der Massenkowsummittel belastet werden. Der Redner betonte auch, daß im übrigen das Handwerk nicht die Selbsthilfe vergessen dürfe. Es wird bei künftigen Wahlen Sache der Kreise des Mittelstandes sein, dafür zu sorgen, baß solche Anregungen im Ab-