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Im deutschen Reich · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. 311

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Zur neuesten Biographie Heinrichs v. Treitschke
Date
1910-04-01
Page
311 (sequence 6)
Language
German
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Zur neuesten Biographie Heinrichs V.^TreiLschkes. 311 Zu den Unterzeichnern jener berufenen Notabelnerklärung vom 12. November 1880 (in der auch ein offenbar gegen Treitschkes Lehrtätigkeit gerichteter Satz vorkam) gehörten viele seiner Kollegen, insbesondere auch sein engerer Fachgenosse Droysen. Es liegt nahe, anzunehmen, daß Tr. auch mit diesen auseinander kam, zumal er selbst die Erklärung mit den schärfsten Worten angriff und meinte, ihre „hohlen Schlagwörter" erinnerten an die schlimmsten Tage des Jahres 1848. Die Zahl der persönlichen Zerwürfnisse, in die er geriet, läßt sich noch gar nicht übersehen. Er konnte es noch als ein Glück betrachten, daß ein Mann wie Duncker, selbst halb jüdischen Blutes, auch in diesen Tagen zu ihm hielt. Die auf feiten des Judentums stehende Presse bewarf ihn größtenteils mit Kot. Als er mit Schmoller und Brentano die Klingen kreuzte, da konnte er mit gelassenem Humor zuschauen, wie der Chor der sozialdemokratischen Blätter ihn beschimpfte. Damals führte der „Hamburger Sozialdemokrat" aus: „Dieser Herr v. Tr. ist selber ein lebendiger Beweis für die Ungerechtigkeit der heutigen Gesellschaft; er ist der Sohn eines Generals, darum konnte er studieren und heute ein Gelehrter heißen; lebten wir in einem gerechten Staate, der die Güter nach den Leistungen verteilte, so hätte ein solcher Schwachkopf niemals studieren dürfen." Wie sich die jüdische Rachsucht und Empfindlichkeit bemerkbar machte, das lernte Tr. jetzt kennen. Die ganze Judensache hat ihm alles in allem schweres Herzeleid eingebracht. So wenig sein Kampfesmut gebrochen wurde, und so frei er sich in seinem Gewissen fühlte, so bekümmert war er doch. lieber den Frohsinn feines Wesens senkte sich ein Schatten." An einer anderen Stelle der Biographie heißt es: „Ueberhaupt war Tr. insbesondere durch seine Stellung zur Judensrage bei vielen Bekannten und Unbekannten in ein ganz unrichtiges Licht gekommen. Die Harmlosigkeit des Ministers v. Puttkämer, die darin lag, daß er glaubte, zwei gute Freunde nebeneinander zu bringen, indem er Tr. bei Tische neben den Hofprediger Stöcker setzte, grenzte an Geschmacklosigkeit. Tr. mußte Puttkämer darüber aufklären, daß er Stöcker gar nicht kenne. Einen kleinen Stoß versetzte Tr. allerdings feinem Ansehen bei den Hausrath und Genossen, als er Stöcker wegen des angeblichen

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