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Im deutschen Reich · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. 310

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Zur neuesten Biographie Heinrichs v. Treitschke
Date
1910-04-01
Page
310 (sequence 5)
Language
German
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310 Im deutschen Reich. nur ein einziger Name bei uns, den diese semitische Schamlosigkeit nicht bespieen und besudelt hätte?" Dabei hatte er doch selbst eine innige Freundschaft mit einem Juden, mit Alphons Oppenheim, der inzwischen gestorben war. Noch 187? hatte er über diesen geschrieben: „Selten ist wir ein Mann begegnet, der so ganz frei von Selbstsucht, so ganz Hingebung an andere war." Andere Männer jüdischer Abkunft, wie Levin Goldschmidt, waren ebenfalls seine guten Freunde geworden: zu schweigen von Eduard Simson, in dem Tr. nur den treuen deutschen Mann sah, dessen Name von lauterstem Klange war. Er wußte also sehr wohl Unterschiede zwischen Juden und Juden zu machen. Um so mehr fühlte er sich berufen, auch seinerseits in der stürmischen Erregung des Volkes das Wort zu ergreifen. Seine Kämpfernatur riß ihn fort. Der Jurist Windscheid hatte einst gesagt, Tr. gleiche einem edlen Schlachtrosse, das nicht zu halten sei, wenn es die Fanfare blasen höre. Der Vergleich paßt so recht auf Tr. im Judenstreite. Sein Flammenwort wirkte mehr als alles, was bis dahin in dem Kampfe gegen die Juden gesagt worden war. Es mußte Oel ins Feuer gießen. Seine zuweilen malitiöse Zunge und seine lodernde Leidenschaft verwundete außerdem des öfteren unnötig. So trug das höhnische Wort von den hosenverkaufenden Jünglingen eine Schürfe in den Kampf hinein, die er hätte vermeiden können. So war der Ruf des Unmuts: „Die Juden sind unser Unglück!" gerade in dieser fieberschwangeren Zeit von unheilvoller Wirkung. Denn dadurch wurde die Leidenschaft auf beiden Seiten aufs höchste aufgestachelt. Wohl hat Tr. auch in dieser Frage das Gewissen vieler geweckt und großen Kreisen die Augen geöffnet. Aber er hat sich selbst auch Blößen gegeben, noch dazu sachliche. So war das Ergebnis für ihn tief schmerzlich. Es kam das öffentliche Zerwürfnis mit Theodor Mommsen, es kam ein solches mit dem Historiker Harry Breslau, es kamen andere Streitschriften, es kam ein Zerwürfnis mit Levin Goldschmidt,*) der ihm am 4. Mai 1881 in einem langen Briefe vorhielt, daß er im Unrecht sei; auch Franz Overbeck tadelte seine Parteinahme gegen die Juden. *) Goldschmidt war ordentlicher Professor für Handelsrech! an der Berliner Universitär.

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