Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Zur neuesten Biographie Heinrichs v. Treitschke
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 309 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316796-2343095--20220-2343151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur neuesten Biographie Heinrichs v. TreiLschkes. 309 Brand damals entfacht war, und er schrieb in den „Preuß. Jahrbüchern": „Es ist, als ob die Nation sich auf sich selber besänne, unbarmherzig mit sich ins Gericht ginge." Joel hat ihm seinerzeit die rechte Antwort auf diese Worte gegeben. Es sei wahrlich, sagt Joel, einer edlen Nation würoig, sobald Schäden auf die Oberfläche kommen, in die eigenen Tiefen hinabzusteigen, um durch Selbsterkenntnis Heilung herbeizuführen. Die Resultate des unbarmherzigen Gerichts aber, welches nach TreiLschkes Meinung die deutsche Nation an sich selbst vollziehe, erinnert Joel an die bekannte Geschichte einer in ihrem Gewissen beunruhigten Dame, welche lange über die Buße nachdachte, die sie sich selber auferlegen könnte, bis sie dann nach Verwerfung aller übrigen Sühnmittel auf den glücklichen Gedanken kam: „Ich werde mein Gesinde ein paar Tage fasten lassen." So schaffe Treitschke sich einen Sündenbock, die Juden, indem er sage, der große Sünder sei gefunden, und übe das große Gericht, das die Nation an sich üben sollte, an einem winzigen Bruchteil derselben. So leite er eine edle Nation irre, statt sie zur Einkehr zu bringen. „So spricht nicht ein Historiker, sondern ein Pamphletist". Wie denkt nun der neueste Biograph über Treitschkes Stellung zur Judenfrage? Hören wir seine Worte: „Auch in ihm steckte von jeher ein scharfer Gegner des Judentums. Das war schon des öfteren in seinen Rezensionen zutage getreten, die er in den sechziger Jahren für Zarnckes „Literarisches Centralblatt" geliefert hatte. Das hatten auch die „Preußischen Jahrbücher" gelegentlich gezeigt, in denen er im Jahre 1871 Auswüchse des deutschen Judentums geißelte. Damals schon sprach er von der gewaltigen Machtstellung des Judentums, „angesichts der die noch immer modischen Wehklagen über die Unterdrückung der Juden als ein starker Anachronismus erscheinen". Noch mehr tritt dieserjudengegnerifche Standpunkt bei ihm in seinen Briefen hervor. Besonders seit den Gründerjahren fand er, daß der Einfluß der Juden unheilvoll sei. Am 17. März 1879 schrieb er an Overbeck: „Manchmal fällt es mir schwer auf die Seele, wie sehr der Charakter unseres Volkes durch seine Judenpresse verderbt worden ist. Wo ist außer Moltke auch