Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Satyrspiel
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 200 (sequence 7)
- Language
- German
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200 Im deutschen Reich. denkenden Herren, die sich durchaus in der Ueberzahl in dem Heere finden, nichts Wirksames -gegen die antisemitischen Auswüchse geschieht. Und nun kommt der Kriegsminister in seinen Ausführungen weiter a u f d i e W a h l zum R e s e r v e o f f i z i e r zu sprechen, und meint, diese Wahl habe einen besonders demokratischen Charakter, der seitens aller liberal Gesinnten anerkannt werden müsse; wenn die Juden da durchsielen, dann spräche eben ein Dolksgericht. Das hat etwas Bestechendes an sich, ist aber auch falsch. - Die Wahlmethode ist an und für sich zweifellos demokratisch und nicht zu beanstanden. Aber Demokratie in derartig homöopathischen Dosen als Aufputz einer durchaus antidemokratischen Institution wirkt gerade im entgegengesetzten Sinne, wie man auf den ersten Moment meint. In einem Ko mp lex antidemokratischer Institutionenw i r k t nämlich eine in der Einzelerscheinung demokratische Einrichtungauch a n L i d ent okratisch. Der Eintritt in das aktive Offizierskorps ist zweifellos nichts weniger als demokratisch geordnet. Juden können an sich noch so geeignet fein, sie werden als Fahnenjunker niemals ausgenommen und ohne Angabe von Gründen zurückgewiesen. Demo k r a tisch wäre es, wenn d i e Z u r ü ck w e i s u n g n u r m i L G r u n d - Angabe erfolgen könnte und die Gründe in einem unparteiischen Verfahren auf ihre Berechtigung geprüft werden würden. Demokratisch wäre weiterhin eine öffentliche Prüfung der Qualifikation an Stelle der geheimen, ferner ein Ausschalten aller Qualifikationsmomente, die nichts mit Charakter und Tüchtigkeit zu tun haben. Würden wir diese demokratische Offizierswahl im aktiven Heere besitzen, dann hätten w i r a u ch sicherli ch eine größere Reihe aktiver j ü d i f ch e r O s s i z i e r e, u n d b a n n wäre d i e demokratische Reserveo-ffizierswahl auch sinngemäß und würde in keiner Weise beanstandet' werden können. Denn warum fallen Juden so häufig bei der Wahl zum Reserveoffizier durch? DWeil -bei der Abstimmung folgendes Motiv maßgebend ist: Nachdem das aktive Offiziersk o r p s I u-d en aus s ch lie ß t, find sie v o m m i l i t är i sch e n Ges i.ch t s p u n k t e a l §- m i n der w e r t i g . g e k en n -