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Im deutschen Reich · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. 198

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Satyrspiel
Date
1910-04-01
Page
198 (sequence 5)
Language
German
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198 Im deutschen Reich. Autorität höchst persönlich ist. Es ist für denjenigen, der mit der Psychologie der Massen Bescheid weiß, niemals die Möglichkeit der Fragestellung vorhanden, ob ein Bevölkerungsteil als solcher dem andern gegenüber autoritätvoll oder autoritütlos ist. Die Frage kann immer nur auf die Prüfung abgestellt werden, ob dem e i n z e l - n en die Fähigkeiten, andern gegenüber Gewicht zu haben, gegeben sind. Nur auf die Einzelpersönlichkeit kommt es an. Unter Juden wie Christen gibt es Leute mit angeborener Autorität. Den besten Beweis dafür liefert, soweit Juden in Frage kommen, ein Blick auf die politischen Parteien. Warum haben dort gegenüber Massen des niederen Volkes schon oft jüdische Führer eine ungeheure Autorität gehabt; eine so große, wie sie sich der Kriegsminister nur immer für das Heer wünschen kann? Weil die betreffenden Juden an sich nach außen hin imponierend wirkten. Ferner verkennt der Kriegsminister, daß gerade den unteren Volksschichten gegenüber der anständige Jude nicht weniger Autorität hat als der' Christ. Dies hauptsächlich aus dem Grunde, weil der Jude fast durchweg besser die Sorgen und Nöte der kleinen Einzelexistenz kennt als viele hochgeborene Herren, die auf die Massen der Bevölkerung immer nur als auf die Plebs heruntergesehen haben. Dafür besteht aber in der niederen Bevölkerung volles Verständnis. Dort sitzen nicht die Träger antisemitischer Weisheit. Dann aber hätte doch der Kriegsminister sich sagen müssen, daß die von ihm geschilderten Verhältnisse zu recht unangenehmen Konsequenzen nach anderer Richtung hin führen können. Wenn seitens der Heeresleitung anerkannt wird, daß man auf gewisse Stimmungen in niederen Volksschichten Rücksicht nehmen müsse, so ist dabei auf der andern Seite auch gesagt, daß in der höchsten Heeresverwaltung der Glaube herrscht, man könne gewisse Stimmungen im Volke nicht ausrotten; erzieherisches Wirken sei Vorurteilen gegenüber machtlos. Oft genug ist es aber schon von kriegsministerieller Seite ausgesprochen worden, daß die Armee stark genug sei, um sogar sozialdemokratischen Einflüssen gegenüber gewappnet zu sein und die Autorität unter allln Umständen aufrecht zu erhalten. Man bedenke weiter; die niedrigsten Volksschichten werden zur Unteroffizierskarriere zugelassen. Folgt man

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