Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Satyrspiel
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 197 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Satyrspiel. sprechenden Gestalt ausgerüstet ist. Aber der Kriegsminister will die Beförderung jüdischer Einjähriger nicht etwa von der Tüchtigkeit des betreffenden Aspiranten abhängig machen, sondern von der Möglichkeit der Einwirkung gewisser Vorurteile der unteren Schichten des Volkes. Man muß mit ganz besonderem Nachdruck darauf Hinweisen, daß hier ein neues Prinzip in den Organismus unseres Staatswesens eingeführt wird. Bisher hat man auf dem Standpunkte gestanden, daß zu einem Staatsdiener gewisse persönliche Q it a l i - täten unumgänglich nötig sind. Wenn diese vorhanden sind, hat man die Qualifikation als gegeben erachtet. Man hat aber noch niemals gehört/daß trotz vorhandener Qualifikation und persönlicher Tüchtigkeit des einzelnen nach jeder Richtung hin eine A n s ch a u u n g andere r K reise, für die der Betreffende gar nichts kann, a u s s ch l a g g e b e n d gewesen wäre. Also: die an sich vorliegende Befähigung des einzelnen wird dadurch genommen, daß andere ihn vielleicht nicht leiden mögen. Wenn wir dieses Prinzip, das der Kriegsminister als berechtigt anerkannt hat, einführen wollten, so käme man zu ganz merkwürdigen Konsequenzen. Es würde dann zunächst einmal in: ganzen Staatsbetriebe danach gefragt werden müssen, ob es nicht Kreise gibt, die gegen die Abstammung und die näheren persönlichen Verhältnisse der angehenden Staatsdiener, wenn auch ohne jeden Grund, voreingenommen wären. Man wird nicht behaupten können, daß dem Fabrikarbeiter der junge Sproß einer altadligen Familie als Mensch besonders imponiere oder gar besondere Hochachtung abnötige. Man kann sogar so weit gehen, zu sagen, daß bei der Bevölkerung unserer großen Städte die Adelsqualität in weiten Schichten nicht nur keine besondere Ehrfurcht einflößt, sondern als Ueberbleibsel einer überwundenen gesellschaftlichen Entwicklung recht gering geschätzt wird. Würde man aber aus diesem Grunde sagen, der Fahnenjunker von £ oder von L) könne nicht weiter befördert werden, weil er als Adliger infolge Anschauungen gewisser Kreise keine'Achtung genieße, so würde man aus gelacht werden, und dies mit vollem Recht. Denn zunächst muß von einem einigermaßen Wissenden anerkannt werden, d a ß d a s Wesen d c t