Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Satyrspiel
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 196 (sequence 3)
- Language
- German
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196 Im deutschen Reich. zweierlei Motive zugrunde. Entweder ist der betreffende jüdische Soldat wirklich nicht tüchtig und tauglich und wird dann mit Recht beiseite geschoben, oder aber, und das ist dasjenige Motiv, das in sehr vielen Fällen zutrifst, der Mißerfolg des jüdischen Soldaten erklärt sich lediglich aus angeborener Abneigung gegen die Juden und aus dem Verl a n g e n h eraus , ei n e n P a r i a z n h a b e n, d en m a n v o n v o rn h e r e in a ls mind er ui e r ti g betr a ch L en kann. Die Psychologie der antisemitischen Bewegung-geht dahin, daß im Kerne das gesamte antisemitische Vorurteil auf dem niedrigen Instinkt beruht, eine Freude daran zu haben, auf jemanden herabsehen zu können; dies bildet auch die Psychologie der Militärzurücksetzungen. Weshalb wird denn der Jude gleich von vornherein vom Offiziersunterricht ausgeschlossen? Weshalb sagt der Oberst, ich will keinen Juden als Gefreiten in der Kompagnie haben", ohne daß er die Leistungen des Betreffenden kennt? Nur aus dem Grunde, weil ihm in seinen Kreisen die Verachtung gegen die niedrige Kaste anerzogen ist und er dieser Verachtung den Tribut zahlen zu müssen glaubt. Ist man ehrlich, muß man die obige Begründung zugeben. Die neulich vom Kriegsminifter vorgebrachten Gründe muten den Kenner der Verhältnisse wie ein Märchen aus Tausend und eine Nacht an. Dabei muß man sich darüber klar werden, was denn eigentlich der Kriegsminister gesagt hat. Er hat ausgeführt, es genüge nicht allein, wenn der Aspirant für den Reserveoffizier Können, Wissen und Charakter habe. Es müsse die Persönlichkeit Achtung gebietend sein. In unserm niederen Volke herrsche hier und da noch die Auffassung, bei der Persönlichkeit des Juden sei das Vorliegen der Autorität vielfach von vornherein ausgeschlossen. Cs kann zwar unter keinen Umständen zugegeben werden, daß sonst tüchtige Soldaten sich allein wegen ihrer äußeren Erscheinung nicht zu Offizieren eignen sollten. Diese Fälle meinte aber auch der Kriegsminister gar nicht; er sprach davon, daß der Betreffende „.Können", „Wissen" und „Charakter" haben und trotzdem nicht zum Offizier geeignet sein könne. Das kann nichts anderes heißen, als daß, was das Können betrifft, der Offiziersaspirant ein körperlich brauchbarer Soldat, also gut gewachsen imb mit einer ent-