Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Satyrspiel
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 195 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316796-2343092--20202-2343137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^atyrspiel. 195 Unterricht verzichten wolle, wobei noch vielfach der Zusatz gemacht wird, „es nütze ihm ja doch nichts". Oder aber, wenn er zum Offiziersunterrichte zugelassen ist, wird er vielfach nach kurzer Zeit als untauglich wieder beseitigt. Manchmal wegen wirklicher Unbrauchbarkeit, sehr häufig aber auch aus dem Grunde, weil man, sei es der ausbildende Leutnant, sei es der Hauptmann, sei es der Major, keinen Juden im Unterricht haben will. Den wahren Grund des Ausschlusses erzählt dann der Feldwebel dem Einjährigen, wenn er mit ihm gut steht, oft genug unter vier Augen. Und noch mehr. Naht die Zeit der G e f re i t e n b e f ö r d e r u n g und wird der Einjährige für würdig befunden, zum Gefreiten zu avancieren, so kann es der Hauptmann oft nicht verhindern, daß der Einjährige vom Obersten gestrichen wird. Grund: der Oberst will keinen Juden. Es ist auch vorgekommen, daß der Oberst zuerst an der Beförderung keinen Anstand nahm, dann die Beförderung aber rechtzeitig verhinderte, als er von der Zugehörigkeit des Einjährigen zum Judentum hörte. Gelingt es trotz dieser Umstände einmal einem jüdischen Einjährigen, als weißer Rabe das O f fiz i e r s ex amen zu bestehen, so beginnt erst recht das Drama einen tragischen Charakter anzunehmen. In manchen Fällen wird der Qualifizierte ohne Bekanntgabe eines Grundes wieder von der Liste gestrichen. In anderen Fällen erfolgt zunächst die Versetzung zum Train, womit schon nach den landläufigen Begriffen eine Disqualifikation in sich vorhanden ist. Ein Jude bleibt iw Fälle seiner Beförderung wedeü bei der Kavallerie noch bei der Feld-Artillerie, sondern wird immer zum Train versetzt; bei Nichtjuden ist diese Versetzung manchmal, aber nicht regelmäßig üblich. Die allerwenigsten kommen überhaupt zur O f f i z i e r § w a h l und bei dieser fallen sie dann durch. Auch die Vorgänge bei der Wahl, die vielfach auf Grund von Indiskretionen bekannt werden, geben erheblich zu denken. Insbesondere weiß man, daß die Bezirkskommandeure, wenn sie wollen, einen Einfluß auf das Ergebnis der Wahl sehr wohl ausüben können. Allen diesen Erscheinungen,. sowohl der Nichtzulassung zum Offiziersunterricht von vornherein, wie dem späteren Ausschluß, endlich der Streichung aus der Liste der Offiziersaspiranten nach eventuell bestandenem Examen liegen