Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-03-01
- Page
- 173 (sequence 14)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 173 an alle Anwesenden die Mahnung, auch in Zukunft die Söhne der jüdischen Glaubensgenossen nicht nur dem wenig einträglichen Studium einiger Wissenschaften, sondern vor altem dem ehrenvollen Handwerk zuzuführen und darin ihre Fähigkeiten entfalten zu lassen. — Diese mit großer Wärme vorgetragenen Ausführungen fanden bei der Zuhörerschaft stürmischen Beifall, der noch in die folgenden Dankesmorte des Vorsitzenden hinüberklang. An der sich anschließenden Diskussion beteiligten sich Herr Rechts an Walt Gottschalk, der auf die aktuellen politischen Zustände in sozialer Beziehung zu sprechen kam, und Herr Reiche, der selbst Handwerker ist, und sich darüber beklagte, daß die jüdischen Handwerker besonders von Inden zurückgesetzt werden. Herr Schwarz wünschte, daß der Inhalt des belehrenden Vortrages möglichste Verbreitung fände, und dadurch nicht nur die Gegner, sondern vor allem die Glaubensgenossen aufgeklärt würden. Nachdem noch Herr Wolfs die pädagogischen Verhältnisse berührt hatte, schloß der Vorsitzende die Versammlung. M. H. — In der Ortsgruppe B o ch u m des Central-Vereins sprach am 12. Januar Herr Rabbiner Dr. R osenth a l aus Berlin über das Thema „Deutsche und Inden". In treffender Weise zeigte Redner, daß manche Eigenschaften, die man den Juden zum Vorwurf macht, auch bei den Deutschen stark ausgeprägt sind, nur soll bei dem Deutschen ein Vorzug sein, was bei dem Juden als Fehler gilt. Man sagt, der Jude sei nicht seßhaft, sei Nomade, bei dem Deutschen nennt man diese Eigenschaft Trieb in die Ferne, Wanderlust usw. Man sagt, die Juden seien überall verhaßt, aber ist nicht auch die deutsche Nation zurzeit die bestgehaßte? Ist nicht im Grunde hier wie dort Tüchtigkeit, schnelles Borwärtskowmen der Grund des Hasses? Warum also dem Juden als Schandfleck anhasten, was dem deutschen Volke Grund zum Stolze sein soll? So verstand es der Redner, an praktischen Beispielen zu zeigen, wie gekünstelt jene Versuche sind, einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Juden und Deutschen zu konstruieren. Reicher Beifall belohnte die trefflichen Ausführungen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Rabbiner Or. David, wies die Anwesenden auf die Tendenz und Arbeit des Central-Vereins hin und gewann