Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-03-01
- Page
- 172 (sequence 13)
- Language
- German
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172 Im deutschen Reich. bürg und Wilmersdorf haben am Montag, den 17. Januar d. Js., eine Versammlung veranstaltet, die zahlreich besucht war, und in der Herr Rabbiner Or. Ackermann aus Brandenburg über das Thema: „Arbeit und Arbeiter im Judentum" sprach. Der Vorsitzende der Ortsgruppe S chöneberg, Herr Rechtsanwalt Gottschalk, wies in seinen BegrüßungsWorten auf die Bedeutung dieser sozialen Frage hin, indem er es als eine Uebertreibung von gegnerischer Seite bezeichnete, wenn das Judentum immer wieder nur als Träger des Kapitalismus und Gegner des Handwerkes bezeichnet würde. In ebenso erschöpfender wie geistvoller und beredter Weise führte Herr Di*. Ackermann aus, daß es nicht nur Aufgabe des Central-Vereins fei, jegliches den Juden zugefügte Unrecht abzuwehren, sondern auch durch ausklärende Tätigkeit positive Arbeit zu leisten. Sodann ging der Vortragende ausführlich auf die Frage ein: „Was lehrt das jüdische Schrifttum über Arbeit?" und gab einen interessanten Auszug aus talmudischen Aussprüchen, in denen auf den Wert der Arbeit, besonders der Handwerkerarbeit, und aus -die vernichtenden Folgen des Faülenzertums hingewiesen wird. Durch das ganze jüdische Schrifttum zieht sich der Gedanke, daß die Natur selbst, das soziale Zusammenleben der Menschen, zur Arbeit zwingen. Israel war in seinen: Lande ein fleißiges, ackerbautreibendes Volk, und die Gesetze nahmen aus diese Tatsache Rücksicht, indem z. B. für das Osterfest acht Tage, für das Hüttenfest neun Tage eingeräumt werden, weil sie in eine arbeitslose Zeit fallen, während das Wochenfest zurzeit der Weizenernte nur einen Tag dauert. Im Gegensätze zu dem klassischen Altertum, den Griechen und Römern, hatten die jüdischen Arbeiter freiheitliche Institutionen, die Sklaverei wurde in Israel zuerst aufgehoben und das Verhältnis der Arbeitgeber zu den Arbeitern in sehr liberaler Weise geklärt. Auf die augenblicklichen Zustände übergehend, hob der Redner hervor, daß in London allein über 10 000 Juden von der Schneiderei leben, während in Rußland die christlichen Handwerker über die Konkurrenz der Juden klagen. Auch in Deutschland wäre es anders, wenn nicht erst das Jahr 1848 die Aufhebung des Zunftgesetzes gebracht hätte, welches den Meistern verboten hatte, Juden in die Lehre zu nehmen. Zum Schluß richtete der Vortragende