Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-03-01
- Page
- 148 (sequence 7)
- Language
- German
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148 Fm deutschen Reich. Der Kriegsminister schwieg sich darüber zunächst völlig aus, und auf nochmaliger Interpellation gab er eine Antwort, die nicht nur bei unseren Glaubensgenossen, sondern auch in christlichen Kreisen Erstaunen und Entrüstung Hervorrufen mußte. Wir haben deshalb einen Artikel, der uns aus den Reihen unserer Mitgliedschaft zuging und dieser Stimmung Ausdruck gibt, an leitender Stelle veröffentlicht. Am meisten hat es befremdet, daß der Minister selbst das Borurteil gegen die jüdischen Offiziersaspiranten auf die Anschauung des niederen Volkes zurückführt, dennoch aber als ein solches bezeichnet hat, auf das er Rücksicht nehmen müsse. Der antisemitische Teil des deutschen Volkes in Waffen besteht aber sicher nicht aus bäuerlichen Rekruten oder Arbeitern, denen eine solche niedere Gesinnung schon deshalb fremd ist, weil sie alle denselben Wunsch hegen wie der deutsche Jude: Gleiches Recht für alle! Weil die leitenden Staatsmänner diese Losung nicht anerkennen, haben sie die Führung nahezu vollständig verloren, so daß die. Parteien, denen es gelang, den Bülow-Block zu zertrümmern, sämtlich glauben, ihnen beliebig Vorschriften machen zu dürfen. Die Art, in der sie ihnen zuweilen ihren Willen zu bifttereu versuchen, fyat vorübergehend sogar den philosophischen Reichskanzler aus seinem Phlegma aufgerüttelt. Im Namen des Alldeutschen Vcvbanbcs trt Rheinland-Westfalen unterbreitete ihm am 31. Januar der Obmann Carl Jtzenplitz eine Resolution, in der die Vertrauensmänner von 39 Gruppen jenes Verbandes seiner Exzellenz erklärten, daß in ihren Kreisen das Auswärtige Amt alles Vertrauen verloren habe. Der Reichskanzler lehnte die Annahme der Resolution mit der Erklärung ab, es sei unverantwortlich, daß pon Gliedern einer Organisation, die, wie der Alldeutsche Verband, nach ihren Satzungen im nationalen Sinne wirken will, gegen eine Reichsbehörde so unwürdige und beweislose Anschuldigungen geschleudert würden. Das erinnert lebhaft an die .Worte, die Fürst Bülow, als ihm bei der Dreistigkeit der Antisemiten den Geduldsfaden riß, vor sieben Jahren den Gesinnungsgenossen der Herren Jtzenplitz und Konsorten, dem