Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 99 (sequence 6)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 99 (.— Bei der zweiten Lesung des Reichsjustizetats hat der zur Reformpartei gehörige Abg. Werner am 20. Januar im deutschen Reichstage noch am Schluß der Verhandlung durch die Worte „Ich bitte, daß der Staatssekretär an der alten Praxis festhält, daß Juden nicht Reichsgerichts.- räte werden dürfen", den Beifall der wenigen Konservativen geerntet, die noch im Saale anwesend waren, während auf der Linken des Hauses diese antisemitische Forderung lebhafte Heiterkeit erregte. — Die Frage, ob Männer, die zu den Führern einer judenfeindlichen politischen Partei zählen, in Prozessen, bei denen Juden als Angeklagte oder Zeugen beteiligt sind, als unbefangen zu betrachten und zu richterlichen Stellungen geeignet sind, dürste früher oder später aufgeworfen und dann allseitig sehr ernst behandelt werden. — In einer neueren Bekanntmachung im Reichsgesetzblatt, welche die Geschäftsbedingungen der Mannheimer Produktenbörse für den Zeith and el im Getreide betrifft, heißt es: „Als Feiertage gelten die staatlich anerkannten allgemeinen Feiertage, die beiden jüdischen Neujahrstage und der Versöhnungstag; in bezug aus die Abnahmefrist jedoch nur die staatlich anerkannten allgemeinen Feiertage." Dies veranlaßt die „Deutsche Tageszeitung" zu folgender Bemerkung: „Wir haben an sich nichts dagegen, daß die beiden jüdischen Neujahrstage und der Versöhnungstag als Feiertag gelten. Bedauerlich bleibt ja diese Notwendigkeit, da sie beweist, wie stark unsere jüdischen Mitbürger bei dem Produktenbörsenhandel zu Mannheim beteiligt sind. Was aber den Juden recht ist, sollte auch den Katholiken billig sein. Bekanntlich gibt es hohe katholische Feiertage, die in katholischen Kreisen fast allgemein gefeiert werden, aber nicht zu den „staatlich anerkannten" allgemeinen Feiertagen gehören. Man hätte erwarten dürfen, daß auch diese katholischen Feiertage für die Produktenbörse die Geltung von Feiertagen hätten." — Man merkt die Absicht des agrarischen Organs, die Katholiken gegen die Juden auszuhetzen, die gewiß nichts dagegen hätten, wenn die Katholiken für ihre Feiertage eintreten würden. -'Sei auf der Delegiertenversammlung vom 30. Mai vorigen Jahres mit 24 Vereinen begründeten Verbände der