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Im deutschen Reich · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Berlin
Date
1910-02-01
Page
98 (sequence 5)
Language
German
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96 Im deutschen Reich. — Aus der Sitzung 'der BerlinerStadtvero r d n e t e n-V er s amrn lu n g vom 3. Januar d. I. ist ein eigentümlicher Vorfall zu melden. Der s o z iald em okra - t i s che Stadtverordnete Bas n er unterbrach einen Redner, der völlig sachlich zu einem vorliegenden Falle sprach, fortdauernd mit häßlichen Bemerkungen. Als ein jüdischer Stadtverordneter, in dessen nächster Nähe der sozialdemokratische Herr sich hingestellt hatte, ihn bat, doch nicht zu unterbrechen, man könnte nichts verstehen, rief der sozialdemokratische Stadtverordnete Basner laut in den Saal hinein: „Seien Sie doch stille, gehen Sie doch nach Palästina!" Diese antisemitische und im antisemitischen Sinne getane Aeußerung rief in der Versammlung, auch bei den christlichen Stadtverordneten, einen Sturm des Unwillens hervor. Der Vorsteher der Stadtverordneten- Versammlung, Herr Mich el et, verstand offenbar diese Aeußerung anfänglich nicht und glaubte, die Angelegenheit mit einem Scherzwort beseitigen zu können. Als ihm aber später die Bemerkung in ihrem Zusammenhang mitgeteilt wurde, rief er Herrn Basner sehr energisch zur Ordnung. Bemerkenswert ist, daß diese antisemitische Aeußerung von einem Sozialdemokraten aus gegangen, und daß von den Genossen des Herrn Basner, unter denen sich doch viele unserer Glaubensgenossen befinden, scheinbar keiner Anstoß an der Bemerkung nahm. — Die Antwort des Medizinalministers vom 9. September 1909 auf die Eingabe betr. Paßvorschriften für jüdische Aerzte nach Rußland lautet: „Der Kaiserliche Botschafter in St. Petersburg hat den Wunsch der" Preußischen Aerztekammern wegen Erleichterung der russischen Paßvorschriften für deutsche Aerzte mosaischen Glaubens bei der russischen Regierung zur Sprache gebracht. Es hat sich dabei ergeben, daß eine allgemeine Aenderung der in Rußland auf dem Gebiete des Paßwesens bestehenden Bestimmungen ins Auge gefaßt ist, daß aber vor dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen die russische Regierung sich nicht in der Lage sieht, dem Wunsche der deutschen Aerzte Rechnung zu tragen." — Im Vertrösten ..ad graecas calendas“ ist die russische Diplomatie noch unübertroffen: sie sieht sich stets'"„nicht in der''Lage" - bis man sie in die Lage bringt!

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