Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 92 (sequence 9)
- Language
- German
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92 Im deutschen Reich. berg, sich einmal im deutschen Reichstage des Reichsangehörigen Rudolf Haß annahm, der für seine Ansprüche an die venezolanische Regierung von dem Auswärtigen Amte keinen Schutz erlangen konnte, und nach heftigster Beleidigung dieser Behörde als „Querulant" behandelt wurde, erklärt die „Staatsbürger-Zeitung" die ruhigere Behandlung des Falles durch die „Tägliche Rundschau" als ungenügend und schmettert dem Auswärtigen Amt in einem „Schutzlos" überschriebenen Artikel die Worte zu, das sei eine böse Wunde der nachbismarckischen Diplomatie, und es solle sie nicht wundern, wenn alle „nationalen Kassandren" schließlich nach Dalldorf kamen. Für den deutschen Juden Hermann Burchardt, der aus einer harmlosen Forschungsreise in Südarabien durch Mürderhand gefallen ist, hatten die „Tägliche Rundschau" und die „Staatsbürger- Zeitung" kein Wort der Teilnahme. Wenn von jüdischer Seite der Reichsregierung zugemutet worden wäre, in dieser Sache mit derselben Energie einzuschreiten, wie dies die italienische Regierung wegen des Reisegefährten Burchardts, Benzoni, getan hat, so würde die deutsche Antisemitenpresse es als unerhört bezeichnet haben, von der Reichsregierung zu fordern, daß sie sich wegen eines jüdischen Forschungsreisenden in diplomatische Verwicklungen einlasse. Für einen Schützling Liebermanns könnte man schon exotische Abenteuer wagen, aber einen deutschen Juden „schutzlos" zu lassen, das entspricht der Denkungsweise, die von den Antisemiten natürlich fälschlich als „national" bezeichnet wird. Sollten die südarabischen Raubmörder noch den verdienten Lohn empfangen, so dürften sie desselben antisemitischen Mitgefühls sicher sein, das den russischen „Schwarzen Hundert", wenn diese für ihre Judenmetzeleien auch nur eine längere Gefängnisstrafe zu erleiden hatten, zuteil wurde. ' Sich in russische Angelegenheiten einzumischen, galt bisher bei allen Staaten, wenn nicht als eine Unmöglichkeit, Diplomatie. Daß c Rußland so doch als ein Verstoß gegen alle Gesetze der internationalen trotz des großen Umsangs seines staatlichen Besitzes und seiner natürlichen Hilfsquellen im Grunde doch nur ein „Riese mit tönernen Füßen" sei, war schon seit langer Zeit eine volkstümliche Anschauung, die aber aus guten