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Im deutschen Reich · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Medizinalpraktikanten und Konfession
Date
1910-02-01
Page
78 (sequence 3)
Language
German
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78 Im deutschen Reich. darüber verständigen, daß die Annahme seines Gesuchs, falls er Israelit sei, für ihn eine unangenehme Situation, eine Isolierung unter den übrigen Aerzten des Krankenhauses, schaffen würde. Antisemitische Tendenzen haben ihm dabei ebenso fern gelegen wie eine persönliche Kränkung des Herrn G. Tatsächlich ist seitens der zurzeir im Kraukenhause in Britz angestellten Hilfsärzte der Wunsch ausgesprochen, daß ihnen Leine jüdischen Kollegen beigesellt werden möchten. Diese Herren — es handelt sich um völlig aus gebildete approbierte Aerzte — unterstehen zwar hinsichtlich der Verrichtung ihrer dienstlichen Obliegenheiten der Aufsicht des ärztlichen Direktors; letzterer ist aber nicht in der Lage, in bezug auf ihre gesellschaftlichen Neigungen erzieherisch einzuwirten. Andererseits kann ihm natürlich nicht zugemutet werden, die Entlassung der -rsteren zu beantragen und dadurch das Krankenhaus bei dem zeitigen Mangel an Assistenzärzten in die größte Verlegenheit zu bringen, nur um in einem speziellen Falle einem Praktikanten Gelegenheit zu seiner Fortbildung zu verschaffen. Er glaubte deshalb am zweckmäßigsten zu handeln, wenn er einem Praktikanten israelitischen Glaubens von einer Bewerbung möglichst zeitig abriet. (Unterschrift.) Also der jüdische Medizinalprartikanr kann sich bei Herrn JJr. Schneider bedanken. Er hat ihn vor Anrempelungen seitens der „völlig aus gebildeten" Assistenten bewahrt. Wie aber steht der Landrar von Achenbach eigentlich persönlich zu dieser Frage? Haben der Direktor Dr. Schneider und insbesondere der Landrat, von dem eine ganz andere Antwort erwartet werden durfte, noch nie davon gehört, daß der Kaiser es nicht unter seiner Würde hält, Juden an seiner Tafel zu sehen? Sind die Hilfsärzte von Britz exklusiver als der deutsche Kaiser? Wenn der Landrat nicht aus das Britzer Niveau herabsteigen will, dann mußte er bei dieser Gelegenheit mit einem Donnerwetter dreinschlagen. Wir aber werden dafür sorgen, daß über das Verhalten der „völlig ausgebildeten" Herren, sowie über den dirigierenden Arzt, Herrn Di. Schneider, und den Herrn Landrat des Kreises Telww noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

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