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Im deutschen Reich · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. 74

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Taufe und Gleichberechtigung
Date
1910-02-01
Page
74 (sequence 10)
Language
German
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74 Jur deutschen Reich. sondern ebenso ans Charaktereigenschaften, auf die Auffassungen von Ehrlichkeit, Treu und Glauben, die ein Mensch für seinen Beruf mitbringen muß. Wenn nun der Staat und 'mit ihm ein großer Teil der Gesellschaft den getauften Juden ohne weiteres als einen Juden betrachtet, wenn ferner wegen des fast hermetischen Abschlusses gegen ungetaufte Juden es den meisten Christen gar nicht gelingt, den Juden anders als in der Gestalt des Renegaten kennen zu lernen, so ist ein Doppeltes klar: daß einerseits den Juden die Eigenschaften zugeschrieben werden, welche man bei den Abtrünnigen findet, und daß man sie demgemäß beurteilt, daß wir andererseits ein berechtigtes Interesse daran haben, uns mit diesen spezifischen Renegateneigenschaften ein wenig näher zu beschäftigen. Der Ausgang dieser Untersuchung zeigt jedem, der sein Auge nicht absichtlich verschließen will, daß durch das Wesen und das Verhalten der Getauften ein Eindruck von den Juden hervorgerufen wird, wie er ungünstiger nicht gedacht werden kann. Mag man den Taufakt noch so nachsichtig und milde beurteilen — und es gibt ja leider immer noch Juden, die es tun —, mag man durch dialektische Kunststückchen dem Renegaten den Makel des feigen Fahnenflüchtigen und des gewissenlosen Meineidigen zu nehmen versuchen, eins kann man auch bei noch so viel Nachsicht nicht von ihm abwasch-en: sein Strebertum! Und das genügt! Man vergegenwärtige sich klar die Sachlage! Die hervorstechendste Eigenschaft, die alle Welt sofort an jedem Renegaten entdecken muß, ist zum allermindesten ein widerwärtiges Strebertum, das Ehre und Ehrlichkeit der Karriere opfert. Und wenn man nun von einem Menschen weiß, daß ihm in seinem materiellen Strebertum weder die Pflicht der ritterlichen Gesinnung seiner schwachen Gemeinschaft gegenüber, noch der Gedanke an die Lüge gegen die neue Religion, noch die Pietät gegen den ehrlichen Namen des Vaters sonderliche Hemmnisse waren, deren Ueberwindung ihm irgendwie Gewissensbedenken verursachten, so liegt der weitere Schluß recht nahe. Man folgert logisch weiter, daß er auch dort, wo Hindernisse nicht religiöser Art ihm in den Weg treten, nicht allzu gewissenhaft und wählerisch in seinen Mitteln sein wird und daß er politisch und auf anderen Gebieten mit eigenen ehrlichen Ueber-

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