Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Taufe und Gleichberechtigung
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 75 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Taufe und Gleichberechligung. 75 zeugungen und aufrechten Meinungen nicht sonderlich hervor- Lreten wird. Kommt etwa noch hinzu, daß unbegabte Juden, was wir heute ebenfalls nur zu oft zu beobachten Gelegenheit haben, ihren Mangel an Befähigung und ausdauerndem Fleiß durch den Uebertritt zur herrschenden Religion auszugleichen suchen und in ihrer weiteren Laufbahn die fehlenden Leistungen durch „Gesinnungstüchtigteit" — recte Heuchelei und unterwürfige Liebedienerei — ersetzen, so verschlimmert sich das Bild nur noch mehr. Leider ist es aber eben nicht das Bild des Renegaten, auf das alle diese Züge übertragen werden; denn die oberflächliche Welt sieht in ihnen nicht die typischen Zeichen der Abgefallenen, sondern noch nicht überwundene Reste der früheren jüdischen Anschauungen. So kann man es wagen, dem Juden Strebertum, Skrupellosigkeit in der Wahl seiner Mittel, würdelose Unterwürfigkeit, Heuchelei und andere Charakterfehler vorzuwerfen, so fälscht der Renegat das Bild seines ehemaligen Bruders! Bedarf es noch der Hervorhebung, daß diese Verzerrung und Verdrehung des wahren Sachverhalts uns bei unserem Gleichberechtigungskampfe am meisten schaden muß? SieentziehtunserenBestrebungenihreeigentliche Grundlage, der getaufte Jude bringt uns um die Anerkennung, daß wir uns des Anspruchs auf das gleiche Recht durch treue Erfüllung der gleichen Pflichten, durch unsere Leistungen, durch unsere treue und ehrliche Gesinnung tagtäglich aufs neue würdig erweisen; das Renegatentum unterbindet uns die wichtigste Seite unserer Arbeit: dafür zu sorgen, daß die Welt unser wahres, inneres Wesen kennen und damit richtig würdigen lernt. De,r Kamps um die Durchführung unserer Gleichberechtigung ist mit die wichtigste Aufgabe für uns; wer uns hier offen oder versteckt entgegentritt, wer uns Hindernisse in den Weg legt, ist unser Feind, und Feinde muß man bekämpfen!. Das Taufjudentum lähmt unseren Gleichberechtigungskampf weit mehr, als der Antisemitismus jeglicher Schattierung es zu tun vermag, und darum ist es unsere Pflicht, ihm mit denselben Mitteln und derselben Energie entgegenzutreten, wie wir seit geraumer