Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Taufe und Gleichberechtigung
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 72 (sequence 8)
- Language
- German
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72 Im deutschen. Reich. s ch a i t i u d c r j ü b i) cl) e n A u i c L1 i t] c u z o t n e f e ft e , einheitlich denke n d e AR a s s e gefunden hätten, die entschlossen gewesen wäre, die Beförderung nicht mit dem Tausmeineid zu erkaufen. W ü r e die j ii d t s ch c I uiti 1 i - g e n z st a nbhast geblieben, s o h ä t L e der S t a a t u achgebe u nt ü s) e n , n u d der K a m p s u in d i e V e r - w i r k li ch n n g der u ns? j e w ü h rleistete n R e ch t e w ü r e s ch o u v o u d e r e i n e n G e n e r a t i o n sieg r e i ch a u s g e f o ch t e n morde n , anstatt daß wir uns mit dieser Arbeit bereits seit Jahrzehnten schleppen, ohne daß ein erfolgreiches Ende abznsehen wäre. Daß der getaufte Jude im Augenblick, da er Übertritt, unserem Gleichberechtigungskampfe einen schweren Stoß versetzt, bedarf keines weiteren Beweises. Der weitere Gang seiner Laufbahn zeigt jedoch, daß damit die Reihe der Nebel noch nicht erschöpft ist,. ja daß sogar das größere nunmehr erst beginnt. Man weiß sehr wohl, daß der Abtrünnige mit mehr oder weniger Geschick seinen früheren Glauben zu verleugnen sucht. Da nun die Taufe unmöglich einen Einfluß auf die Gesichrsbildung auszuübeu vermag, gelingt ihm dieo schon ans äußerlichen Gründen meistens nicht. Aber selbst wenn man seinen Zügen nichts anmerkt, selbst wenn er den ehrlichen Adamen seines Bakers mit einer wohlLönenden „christlichen" Bezeichnung vertauscht hat, mag er vielleicht draußen in der Fremde sich seines schwer errungenen „Ariertums" freuen, in seinem engeren Kreise bleibt er der getaufte Jude, dem zu gelegener Zeit — wie jüngst wieder das Beispiel eines verstorbenen, adligen Universitätsprosessors gezeigt hat — seine Abstammung vorgeworfen wird. Falls er aber Beamter ist, kann er sicher sein, daß in den Personalakten der Religionswechfel sorgsam vermerkt ist. Er ist für seinen Vorgesetzten nicht Christ, sondern gehört einer Kategorie an, die z w i s ch e n Juden und Christen steht. Ihm selber kann die Einreihung in die Sonderklasse der getauften Juden meistens gleichgültig sein; denn so weit gehen die Vorgesetzten in der Berücksichtigung dieses Umstandes nicht, daß sie ihm einen Einfluß ans die Laufbahn des Renegaten gewähren. Sie berücksichtigen ihn nur zum Schaden eines' anderen, unb and) hier ist es wieder der glaubenstreue Jude, der darunter leiden muß. Der Staat