Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Taufe und Gleichberechtigung
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 69 (sequence 5)
- Language
- German
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Taufe und Gleichberechtigung. 69 von Juden, die aus deit leichtfertigsten und verächtlichsten Gründen zum Christentum übertreten, und beurteilt danach die Ueberzeugungstreue des Juden überhaupt. Von dem stillen Martyrium, das so viele auf sich nehmen, von der gottlob noch nicht geschwundenen Charakterfestigkeit weiß sie nichts. Und wenn sie den Ernst des jüdischen Kampfes nach den Uebertretenden beurteilt, sieht sie, daß es ihr sehr leicht gemacht wird, das alte Unrecht fortzusetzen, und findet durchaus keine Veranlassung, von ihrer Praxis abzugehen. Den Gründen des Uebertritts unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, haben wir alle Veranlassung. Weshalb lassen sich denn die meisten Renegaten taufen? Weil sie wirklich zurückgeseht werden und leiden müssen? Weil wirklich die Entfaltung ihrer Talente ihnen unmöglich gemacht wird? Weil sie ohne Taufe Hunger erdulden müssen? Machen wir es doch den Leuten durch derartige falsche Annahmen nicht selber leicht! Machen wir es uns nur klar, daß die Täuflinge in den seltensten Fällen Leute sind, denen ihr Glaube Leiden auferlegt hätte, und wenn auch bei den vielfachen Zurücksetzungen manche Schichten der Juden ein Martyrium auf sich nehmen, ihrer Zahl entstamnien die Getauften in heutiger Zeit fast nie. Es luärc ein Mißbrauch des Wortes ,,Martyrium", wollte man es in irgendeine Beziehung zu der Ursache so vieler Uebertritte bringen. Denn nicht einmal bei denen, die tatsächlich wegen ihres Glaubens eine Zurücksetzung erfahren, kann man von einem Leiden sprechen, das auch nur im entferntesten an das unserer Väter heranreichte. Ist der Vorteil aber, den die Taufe verschafft, wirklich so groß, daß er einen schwerwiegenden Einsatz rechtfertigte? Und obwohl gewisse Gründe — die Zurücksetzung jüdischer Beamten — die schwersten sind, machen sie nur den kleinsten Teil der vielen Renegaten abtrünnig. Die meisten tun den Schritt gar nicht, weil sie sich in ihrer Laufbahn beschränkt und zurückgesetzt fühlen, sondern einfach aus Eitelkeit oder wegen einer ganz kleinen Unbequemlichkeit. Kann ein ernsthafter Mensch auch nur wagen, einen Entschuldigungsgrund zu finden, wenn — pwiepes fast täglich7geschieht —;retn* Rechtsanwalt oder