Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Taufe und Gleichberechtigung
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 68 (sequence 4)
- Language
- German
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(-.8 Im deutschen Reich. Rechtsbegriffe und ähnliches werden betont. Ja, man ist sogar so weit gegangen, die ganze Frage vom christlichen Standpunkt ans zu betrachten und zu untersuchen, inwiefern der große Zufluß der getauften, irreligiösen Elemente das Christentum ungünstig beeinflussen muß, eine Sorge, die man ruhig den am meisten beteiligten Faktoren überlassen könnte. Ein so gutes Zeichen es nun auch für den Geist ist, der das Judentum beseelt, wenn in allen Fragen unseres Gleichberechtigungskampfes die idealen Interessen in beit Vordergrund geschoben werden, so schädlich kann doch auch dieser einseitige Gesichtspunkt Wirker;: denn diese Art, die Dinge zu betrachten, führt vom Leben und beii Anforderungen des Alltags hinweg. Das alleirrige Betonen der idealen Gesichtspunkte führt dahin, daß man die notroendige Arbeit, welche die Tatsachen der materiellen Welt erforderlich maeheri, vernachlässigt und über die Gegenwart rnrd ihre Aufgaben, deren Bedeutung und Wichtigkeit man verkennt, sorglos und leichtfertig hinweggeht. Man greift nach den fernerr, glänzenden Sternen rrnd verliert dabei den festen Boden unter den Füßen! lind gerade der Kampf gegen das Renegatentum ist ein Gebiet, bei dem das alleirrige Hervorheben der idealen Seiten sich lähmend auf die Erfüllurrg der dringenden praktischen Aufgaben der Gegenwart legt. Die Taufe von Juden ist wahrlich,nicht allein eine allgerneine Gefahr fi'rr Moral und Religion überhaupt, sondern sie bildet eilten weit größeren praktischen Schaden, indem sie irr unsere Airbeit um die tatsächliche Durchführung unserer Gleichberechtigung tagtäglich hemmend eirrgreift, uns die größten Hindernisse in derr Weg legt, den Kampf um unser Recht immer mehr erschwert und die Erreichung des Ziels immer weiter 'hinausschiebt. Der wesentlichste Punkt nuferes Gleichberechtigungskampfesist die Aufgabe, die Andersgläubigen davon zu überzeugen, wie ernst es uns mit unserer Zugehörigkeit zum Judentum ist und wie fest wir entschlossen sind, lieber zu leiden, als den Kampf um das Recht aufzugeben. Der getaufte Jude wird es aber in recht kurzer Zeit dahin gebracht haben, daß man dem Juden, der treu an seiner Religion hängt, den bitteren Ernst seiner Gesinnung nicht mehr glaubt. Die große Welt untersucht im allgemeinen nicht sorgsam und lange, sie sieht nur immer die Menge