Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 43 (sequence 9)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 4-; die bei uns bisher nur platonisch in einer Reich s g erich Lsentscheidung anerkannt ist, kam im talmudischen Recht in einer Bestimmung zum Ausdruck, wonach Kinder unter 13 Jahren, ebenso übrigens auch Personen in bestimmten Abhängigkeits- Verhältnissen, nicht als Zeugen vernommen werden durften. Bon weiteren prinzipiellen Punkten, die der Vortrag berührte, ist noch hervorzuheben, daß die strafrechtliche Gesamtaufsassung des Talmuds durch ihre Berücksichtigung des Besserungszwecks (z. B. Verschärfung der Strafen für Rückfallsdelikte, Gebot der Aussöhnung in Beleidigungsfällen usw.) sehr stark an unsere modernen Strafrechtstheorien anklingt, daß der Begriff der „Ueberlegung" im Verhältnis zum ,.Vorsatz", ja sogar der ganz neue Begriff der „Böswilligkeit" in der Vorschrift der talmudischen Forderung der „Warnung" eine Grundlage rindet. Der Redner beschäftigte sich dann mit der Frage, ob die Todesstrafe im neuen Recht beizubehalteu sei. Er weist auf die gegensätzliche Stellung des Berliner Gelehrten Paulsen und des Marburger Professors Hermann Cohen hin, von denen ersterer für, letzterer gegen die Todes-, strafe sei, insbesondere, weil ein Irrtum sich nicht wieder gutmachen lasse und weil die Strafe jede Besserung verhindert. Allerdings kannte der Talmud auch die Todesstrafe, aber er hatte ihre Anwendung so unendlich erschwert, daß ein Gericht, welches alle 70 Jahre einmal ein Todesurteil füllte, als ein „mörderisches" bezeichnet wurde. Der Bortrag, der die Versammlung bis zum letzten Augenblick packte, und auf die praktischen Erfolge des Vereins vielfach einging, gab dem Redner auch Gelegenheit, auf die Zustände an manchen Großbanken hinzuweisen, von denen beispielsweise in Frankfurt eine durch besondere Privilegien ausgezeichnete und unter ihren Depositären die Hälfte Juden zählende, seit vielen Jahren nicht einen einzigen jüdischen Angestellten hat. Der Redner schloß mit einem Appell an die Selbstachtung der deutschen Juden. Die Versammlung, die auch in der Frankfurter Presse eine sehr günstige Kritik fand, hat der Ortsgruppe über 50 neue Mitglieder gebracht und damit der Winterarbeit einen verheißungsvollen Anfang gegeben. Die Ortsgruppe, die vor einem Jahre knapp 400 Mitglieder zählte, umfaßt heute bereits 750. — Die am 29. Nov. im Apollosaal des Deutschen Hofes, Berlin 5, abgehaltene Versammlung der V e r e i n s g r u p P e