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Im deutschen Reich · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. 40

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
[Ohne Titel]
Date
1910-01-01
Page
40 (sequence 6)
Language
German
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40 Im deutschen Reich. unseres Bekenntnisses und unseres Stammes sei. Unser Kampf sei ein Kulturkampf; denn wir wollen nicht ein besonderes jüdisches Recht; er sei ein Teil des großen Kampfes für das Recht. Glücklicherweise sei noch nie in der Weltgeschichte das Recht mit Füßen getreten worden, ohne daß die Folgen auf die Urheber zurückfielen. Die antisemitische Bewegung trage eben einen anarchistischen Charakter, was durch Beispiele aus der Geschichte der Bewegung belegt wird. Freudig sei zu begrüßen, daß zum großen Teil durch die Tätigkeit des Centralvereins Begeisterung für die Ideale unter den deutschen Juden wieder lebendig geworden sei. Das sei ein Kulturfortschritt nicht nur für die deutschen Juden, sondern für das ganze deutsche Volk. Große Kulturaufgaben seien stets nur von Minoritäten gelöst worden; wir haben die Aufgabe, für dies Ideal einzutreten. Redner geht sodann unter Hinweis auf die geringe Beteiligung Ostpreußens auf die Tätigkeit des Central-Vereins im Unterschied von der durchaus anerkennenswerten, aber teilweise andersgearteten Wirksamkeit des Abwehrvereins wie des Verbandes der deutschen Juden und des Hilfsvereins der deutschen Juden ein. Der Centralverein baue sich auf breiter demokratischer Basis, auf dem Zusammenarbeiten aller Richtungen und Parteien im Judentum auf. Sein Prinzip sei die Vermeidung aller Hintertreppen, Tätigkeit in vollster Öffentlichkeit. Trotz mancher Mißerfolge seien erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Besondere Beachtung sei dem gewerblichen Antisemitismus zuzuwenden, dessen Bekämpfung Aufmerksamkeit und Ausdauer erfordere. Die gegenwärtige Mission der Juden sei, dahin zu wirken, daß der Mensch als Mensch geachtet werde. Wir müßten uns der Pflicht unseres Priestertums bewußt sein. Noch niemals sei die 'Arbeit , für eine Kulturaufgabe vergeblich gewesen. Einen besonders warmen Appell richtete der Redner an die Frauen, diesen Idealismus zu pflegen, selbsttätig mitzuwirken, jetzt, nachdem die Schranken des alten Bereinsgesetzes gefallen sind, die Arbeit des Central-Vereins tatkräftig zu unterstützen. Ganz besonders sei es die Aufgabe der Frauen, die Jugend mit diesem Idealismus, mit dem Bewußtsein der großen Kulturgedanken und mit dem unzerstörbaren jüdischen Optimismus zu erfüllen. Unter anhaltendem Beifall der ganzen Versammlung schloß Rechtsanwalt Or. Brodnitz seine Ausführungen.

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