Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 39 (sequence 5)
- Language
- German
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V e r e i n s n a ch r i ch t e n. 30 sogar den Wahlaufruf für einen antisemitischen Kandidaten unterzeichnet. Hier setze die aufklärende Tätigkeit des Centralvereins ein. Weiter wies Prof. Blumenthal darauf hin, daß in den Kommunalverwaltungen und in den Universitäten die Selbstverteidigung der Juden dringend geboten fd. D'e Magistrate seien vielfach Horte des Antisemitismus. Aehnlich sei es in den Universitäten. In der medizinischen Fakultät gebe es in Preußen nur drei Ordinarien, davon zwci in Königsberg. Die Ordinarien nehmen meist gar keine jüdischen Assistenten; ähnlich sei es in anderen Fakultäten. Redner zitiert aus dem Briefe eines Universitätsprofessors den Satz: „Obwohl die Fakultät durchaus liberalen Grundsätzen huldigt, kann sie doch über gewisse Traditionen nicht hinweggehen", und geißelt diese angeblich liberalen Grundsätze, die in praxi stets unbeobachtet blieben. Der einzelne denkt liberal, aber im Kollegium herrscht der Geist der Exklusivität. Das Gleiche gilt von den Reserveoffizierskorps und den studentischen Vereinen. Es ist eine der Hauptaufgaben des Central-Vereins, den falschen Dünkel dcr Exklusivität, der so viel Unheil anrichtet, zu zerstören. Wir wollen nicht, daß man nur unser Geld haben will und uns selbst zurückstößt. Wir wollen nicht aus uns selbst eine Kaste von Ausnahmejuden schaffen. Wir fordern vielmehr gleiches Recht für alle. Der eindrucksvolle Vortrag, der allgemeinen Beifall fand, wurde in wirksamster Weise durch die Ausführungen des zweiten Redners, Rechtsanwalt I)r. Brodnitz, ergänzt. Er wies auf die Männer hin, die von Königsberg aus den Kampf für gleiches Recht geführt haben. Es bedürfe hier nicht erst einer eingehenden Begründung, um die Tätigkeit des Centralvereins in das rechte Licht zu stellen. Hier gelte das Wort Fr. Th. Vischers: „Das Moralische versteht sich immer von selbst". Wir wollen nicht mehr, aber auch nicht weniger, als daß Recht Recht bleibt. Dafür müßten aber nicht diejenigen allein eintreten, deren Recht geschmälert wird, sondern gerade diejenigen, die in keiner Weise persönlich zu leiden haben. Der Eentral-Verein habe es v.elsach mit dem ganzen Schmutz des Kampfes zu tun. Da suche man um so mehr, den großen Gedanken des Kampfes in sich selbst festzuhalten, um nicht an dem Optimismus verzweifeln zu müssen, der ein Erbgut