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Im deutschen Reich · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. 38

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
[Ohne Titel]
Date
1910-01-01
Page
38 (sequence 4)
Language
German
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Im deutschen Reich. An seiner Stelle waren, die Herren Pros. Blumenthal und Rechtsanwalt Dr. B rodnitz ans Berlin bereitwilligst eingetreten. Herr Prof. B l u m ent h a 1 behandelte das Thema: „Die Selbstverteidigung der Juden". Er wies daraus hin, daß man lange die Verteidigung unserer Rechte anderen überlassen habe, zum Teil, weil man sich scheute, sich als Jude zu bekennen. Die besten Intellektuellen unter den Christen seien auch für uns eingetreten; aber die Assimilationssucht habe vielfach alles Jüdische aus den Häusern verbannt und so bis zur Taufe geführt. Unter scharfer Verurteilung der Taufe betonte Redner, daß die Täuflinge selbst oft zu entschuldigen seien, weil sie in völliger Unkenntnis des Judentums ausgewachsen seien. Wofür also sollen sie Opfer bringen? Dazu komme, daß manche christlichen Geistlichen bei der Taufe nur ein Bekenntnis verlangen, das man als Bekenntnis zum Monotheismus oder gar zum Judentum bezeichnen könne. Mit scharfen Worten geißelte Pros. Blumenthal die Kindertausen, die Unwahrhastigkeit, die Kinder einem religiösen Bekenntnis zuzuführen, das die Eltern nicht bekennen, die Herabwürdigung für beide Bekenntnisse, die hierin liege. Man wolle den Kindern Schwierigkeiten ersparen; cs sei aber eine Gefahr für das Volksganze, wenn der Idealismus so vollständig schwinde. Vielmehr sei es erforderlich, daß wir unser Recht erkämpfen. Wir sind Deutsche, wohnen zum großen Teil länger in Deutschland als unsere Gegner. Deutschland sei nicht das Privateigentum einer Rasse. Redner ging sodann zu einer Betrachtung der gegenwärtigen Situation über. So wenig die ca. 20 Antisemiten im Reichstag an sich bedeuten, so seien sie doch gerade das Zünglein an der Wage. Die Blockparteien bedürften ihrer zur Bildung der Mehrheit ebenso wie -die gegenwärtige konservativ-klerikale Koalition sie braucht. In den liberalen Parteien seien die Führer zuverlässig; aber die hinter ihnen stehenden Parteien folgten ihnen nicht immer. Unbedingt verfehlt sei die Unterstützung antisemitischer oder antisemitisch angehauchter Kandidaten, auch gegen einen Sozialdemokraten. Wäre z. B. wirklich die Wahl eines Sozialdemokraten so viel schädlicher gewesen als die Wahl Schacks? Aber die Juden selbst müßten sich aufrafsen. In Siegen hätten viele Juden jahrelang für Stöcker gestimmt, bei den sächsischen Landtagswahlen hätte ein Jude

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