Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 20 (sequence 5)
- Language
- German
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20 Im deutschen Reich. tischen Leben in Deutschland in letzter Zeit kundgegeben hat, dämpfte den Uebermut der „Tivoli-Konservativen" nicht im geringsten. Eigentümlicherweise blieb jedoch dieser Ruck aus die „Staatsbürger-Ztg." nicht wirkungslos; sie machte plötzlich gegen das „Junkertum" in einem „Deutscher Adel" überschriebenen Artikel mobil und warf ihm „innere Unvornehmheit" vor, weil ihm das rechte „völkische Bewußtsein" mangele. Der Antisemiten-Moniteur schrieb: „Während unser Volk sich kaum mehr der semitischen T e n d e n z e u zu erwehren vermag, die es heute beherrschen, gehen immer wieder Söhne unseres Adels beim Heer wie auf den Gütern Ehen mit reichen I u d e n w e i b e r n ein. Der Drang zu Reichtum und Luxusleben scheint eben vielfach größer zu sein, als die Sorge um die R e i n e r h a l t u n g des Blutes. Daß es einzelne Juden gibt, die als Persönlichkeiten unsere Achtung verdienen, ändert an der Sache nicht das mindeste. Denn es handelt sich um die Konsequenzen. Im Volke ist nicht zum wenigsten durch die geschilderten Umstände die Achtung vor dem Adel längst aus ein Minimum gesunken. Soweit der Adel noch etwas gilt, ist es nur um der Mittel wegen, die meist dahinter vermutet werden. Dahin hat es aber nicht etwa -die demokratische Presse allein gebracht; ihr würde das Wohl nie gelungen sein." — Nun, das „Reich" und die „Staatsbürger-Ztg." haben bekanntlich auch zu denen gehört, die hinter dem Adel Mittel vermutet und diese ebensowenig wie die Inserate jüdischer Warenhäuser und Bankausweise mit jüdischen Unterschriften verschmäht haben, um ihr Dasein kümmerlich weiter fristen zu können. Wenn die christlich-sozialen Organe von dem antisemitischen Agrariertum im Stiche gelassen werden, ist ihr Groll erklärlich, denn auf die Dankbarkeit der D rutschen Mittelstcrnösuerernrgung der gegenüber sie lange die uneigennützigen Beschützer spielten, können sie noch weniger rechnen. Der Mittelstand hat mit der Zeit erfahren, daß ihm die dem Antisemitismus gebrachten moralischen und materiellen Opfer nichts genützt haben, daß er dadurch nur zu einer Hilfstruppe für agrarische Sonderinteressen wurde. In der am 28. November eröffneten sechsten ordentlichen Generalversammlung d:r Deutschen Mittelstands-