Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 19 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 19 Daß das Zentrum bei dem Bündnis mit den Konservativen den Kürzeren gezogen hat, zeigte sich im Reichstag bei der schwierigen Besetzung öer zweiten VizexräsiöenLensLelle, da der Vertreter der Reichspartei, der Erbprinz zu Hohenlohe- Langenburg, nur unter der für das Zentrum peinlichen Voraussetzung der Ausschaltung der Pole n sich zur Annahme dieser Würde entschloß, und die extreme Rechte darauf einging, ohne sich darum zu kümmern, ob das die Harmonie im neuen Block stören würde. Die Vorgänge bei dieser Wahl waren sicher nicht nur geeignet, das Zentrum, sondern auch die unter antisemitischer Führung stehende „wirtschaftliche Vereinigung" zu belehren, welchen Dank sie von den Konservativen für ihre Dienste zu erwarten hat. In der „Wirtschastlicben Vereinigung" hatte man sich infolge des Verzichts der Liberalen zweifellos der Hoffnung hingegeben, wenn nicht Liebermann von Sonnenberg, so dom den wölfischen Abgeordneten v. Damm zum zweiten Vizepräsidenten des Reichstages aufrücken zu sehen, da sie sich durch die Aeußerung des Organs der „Freikonservativen Partei" tief getrosten fühlte, man habe den Erbprinzen deshalb präsentiert, um eine fachlich m i n d e r w e r t i g e u n d politisch gefährliche Zusammensetzung des Reichstagspräsidiums zu verhüten. „Das christlich-soziale „Reich" nannte dies „geradezu eine Ungezogenheit pöbelhaftester Art" und berichtete, daß im Namen der „Wirtschaftlichen Vereinigung" die Abgg. Liebermann von Sonnenberg und Lattmann sofort bei der Leitung der freikonservativen Fraktion vorstellig geworden seien und ihren Unwillen über die „Taktlosigkeit der „Freikonservativen Korresp." Ausdruck verlieben hätten. Die „Staatsb.-Ztg." hat übrigens schon früher h-rausgemhck, daß zahlreiche Konservative zwar selbst den Antisemitismus als Neben g esch äft betreiben, aber dabei die ostizmllen Antisemiten, gleichviel, ob sie sich „Deutsch-Soziale" oder „Reformer" oder auch „Christlich-Soziale nennen, nicht als ebenbürtige Genossen, sondern nur als Handlanger betrachten. Der starke „Ruck nach links", der sich in dem gesamten poli-