Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 18 (sequence 3)
- Language
- German
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18 .Im deutschen Reich. daten fragen.-Augenblicklich heischt es die Taktik, daß das Zentrum seine politische Fahne aushängt und die konfessionelle einzieht." Daß zurzeit zwischen den Konservat'wen und dem Zentrum tiefgehende Meinungsverschiedenheiten obwalten, hat die „Kreuz-Zeitung" offen bekannt, und es ist nicht unmöglich, daß das Zentrumaus diesem Grunde den protestantischen „Tories" gegenüber bekunden will, daß es sich nicht als verpflichtet erachte, weiterhin antisemitisch und reaktionär' abzufärben, sondern besser dabei zu fahren glaube, wenn es sich auf die von Windhorst und Lieber ihm vorgezeichnete Linie der „Gleichberechtigung aller Staatsbürger" zurückziehe und bei Besetzung der Staatsämter nicht nur „Parität" verlange, sondern Verteilung unter ausschließlicher Berücksichtigung der Befähigung und Würdigkeit der Bewerber. Das geht natürlich den Kreuzzeitungs-Rittern wider den Strich; sie sind nicht nur Antisemiten, sondern im innersten Herzen nur so weit von dem altpreußischen Legitimitätsprinzip abgegangen, als sie ein „protestantisches Kaisertum" erhofften. Sie verstehen unter dem von ihnen als „Rocher de bronce“ hingestellten „Christlichen Staat" -doch wohl eigentlich den „protestantischen" Staat strengster Observanz. Sie können deshalb auch die Ansprüche des Zentrums auf den. paritätischen Staat und die Verteilung der Neunter ohne Berücksichtigung der Konfession um so weniger anerkennen als die Macht der Konservativen auf den preußischen Verwaltungsbeamten begründet ist. In der am 1. Dezember erschienenen Nummer der „Akademischen Blätter", die als das Organ der „Vereine deutscher Studenten" genau darüber orientiert sind, weil aus diesen alldeutschen Akademikern sich die meisten konservativen Beamten rekrutieren, hat Or. Ludwig Bergströßer die Aeußeruug Schückings, daß „die konservative Partei zum Teil auf der Personalunion zwischen konservativer Oberschicht und unterer Verwaltungsbehörde beruht", als zutreffend bezeichnet. Daß aber mit diesem System endlich gebrochen werde, liegt ebenso sehr im Interesse des Zentrums als in dem der Juden, die selbst bei der größten Befähigung nur dann in Preußen einen Platz in der Verwaltung erlangen können, wennsie ihre religiöse Ueberzeugung verleugnen und den Zusammenhang mit ihrer Familie opfern.