Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 17 (sequence 2)
- Language
- German
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Tlntf cf) ait. 17 konfessionelle, sondern eine politische Partei; es verlange von jedem Abgeordneten, daß er sich als Vertreter des gesamten deutschen Volkes betrachte. Die Zentrumspartei erstrebe die volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger, deren Jnleressen sie in steter Rücksicht auf die Wohlfahrt des Ganzen und das Gedeihen aller Klassen zu vertreten suche. Wie sie das fertig bringen will, solange sie mit den Tivoli-Konservativen und den deutsch-sozialen Antisemiten in der „Wirtschaftlichen Bereinigung" Liebermanns an einem Strange zieht, ist schwer verständlich. Die „Deutsche Vereinigung", der viele angesehene Katholiken angehören, hat am 12. Dezember in der Tonhalle zu Düsseldorf ihre Generalversammlung abgehalten, und vor dieser ein Flugblatt herausgegeben, in dem gesagt wurde: „Der konfessionelle Charakter einer Partei führt in der Bekämpfung der anderen Parteien dazu, daß fortgesetzt Politik mit Religion verquickt und diese zur Magd jener herabgewürdigt wird. Die konfessionellen Gegensätze werden durch die Konfessionalisierung der Parteipolitik auch in das geschäftliche und private Leben hineingetragen, was am meisten zur Verschärfung des konfessionellen Zwiespalts bei- .trägt." So wahr diese Worte sind, scheinen es doch nur Worte zu sein, denn.sonst würden die Juden selbst in den Landesteilen, in denen das Zentrum dominiert, nicht durch die scheinbar täglich zunehmende Konfessionalisierung aller wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse fast dieselben schweren Schädigungen erleiden wie in den Provinzen, in denen die Kreuzzeitungspartei das Heft in den Händen hat. Aber nicht nur die Juden, sondern auch viele Christen scheinen der von vielen. Zentrumsmännern herausgegebenen neuen Losung „der interkonfessionelle, paritätische Staat" skeptisch gegenüberzustehen. So schreibt die von dem Würzburger Katholiken August Memminger herausgegebene „Neuer Bayerische Landeszeitung": Wenn das Zentrum w'rllich eine politische Partei wäre, der die Gleichberecht i g u n ch aller Staatsbürger über alles geht, dann würde es nicht jahraus, jahrein in Wort und Schrift die widerlichste Konsessionsschnüsselei treiben und bei der Besetzung d er S te 1 l e n nicht immer in erster Linie nach dem Taufschein d e s .b c t r e f f e n d c n K a n d i -