Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Die Versammlungen des Rheinisch-Westfälischen und des Hessen-Nassauischen Landesverbandes
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 13 (sequence 5)
- Language
- German
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Rhein.-West fäl., Hes sen-N a j j au ijcfye t Landes derb and. 13 G l a u b ensopfer betrachten, das er zur Stärtun g und Erhaltung! eines Glaubens bringe. Der Vorsitzende Herr Dr. M aiuzer sagt zu, daß in Kürze möglichst viele Propagandaversarnmlungen gehalten werden sollen. Die Vertrauensmänner müßten mittlerweile Mitglieder werben, da jeder Beitritt auch die finanzielle Macht des Vereins stärke. Der Berbandsvorstand werde dafür sorgen, daß geeignete Redner zur Verfügung stehen. Zu Punkt 5 der Tagesordnung: „Vorbereitungen un d Organisation für die spätestens in zwei Jahren stattfindenden Reichstagswahlen" berichtet der Vorsitzende: das bisherige System der Unterstützung bestimmter Parteien bei Wahlen in antisemitisch vertretenen oder von Antisemiten bedrohten Wahlkreisen habe sich nicht genügend bewährt. Was eine geeignete Tätigkeit des Central-Vereins und seiner Mitglieder leisten könne, habe die Siegener Nachwahl gezeigt. Es sei wünschenswert, daß die Glaubensgenossen sich den politischen Parteien, denen sie am nächsten stehen, organisiert airschließen, um auf diese Weise bei der Bekämpfung der Antisemiten wirksam tätig sein zu können Aber auch ohne dies müsse von jedem Vertrauensmann verlangt werden, daß er in: stillen gegen die antisemitischen Wahlen wirke, indem er den Gegnern antisemitischer Kandidaten bei der Organisation zur Hand geht. Oberster Grundsatz müsse immer die Verhinderung der Wahl eines Antisemiten sein, einerlei, welcher Partei die Durchführung dieses Grundsatzes im gegebenen Falle zugute komme. Nachdem die Herren Rabbiner Dr. Munk, Geh. Rat Cohen, Dr. Blumenseld-Kassel dazu sich geäußert und besonders betont haben, daß jeder Jude als deutscher Staatsbürger verpflichtet sei, sich politisch zu betätigen und sich einer Organisation anzuschließen, stellt der Vorsitzende, um Mißverständnissen vorzubeugen, fest, daß jedem Mitglied selbstverstündlich die Freiheit seiner politischen Gesinnung gewährleistet sei. Es werde daher von dem einzelnen nicht der Beitritt zu einer bestimmten Partei verlangt, sondern nur der Anschluß an die seiner persönlichen Ueberzeugung jeweils entsprechende Organisation empfohlen. Herr Dr. Katzen stein-Kassel empfiehlt auch städtische und andere Wahlen der Bearbeitung der Vertrauensmänner.