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Im deutschen Reich · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. 6

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Zur Ostmarkenfrage
Date
1910-01-01
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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6 Im deutschen Reich. unb vieles andere, was die Abwanderung aus den Ostmarken mitverschuldet hat: — es sind oft Gründe ganz allgemeiner Art, aus denen sich diese Abwanderung vollzieht, was schon daraus hervorgeht, daß auch in Westdeutschland sich eine starke Entvölkerung kleiner Städte zugunsten der großen vollzieht und daß diese Entwicklung sich auch auf die ch r i st l i dj e n B e v ö l k e ru n g s - kreise erstreckt. Es wäre verfehlt, für solche in der Entwicklung liegenden Erscheinungen die Regierungen allein verantwortlich zu machen oder von ihnen Hilfe zu erwarten. — Wenn etwas helfen oder eine rückläufige Bewegung herbeiführen kann, so ist -es neben besseren Maßnahmen der Regierung auch die Selbsthilfe, die sich auf die Erkenntnis stützen muß, daß es so nicht weiter gehen kann ohne schwere Schädigungen am Körper der deutschen Gesamt-Judenheit. Daß diese Erkenntnis sich Bahn bricht, des waren die Themata am Breslauer Judentag lebendige Zeugen. Aber mit der rein akademischen Erörterung der Angelegenheit ist nichts getan; es muß den Worten auch die fleißige Arbeit folgen, und da würde es der Wichtigkeit der ostmärkischen Frage nur entsprechen, wenn innerhalb des Verbandes der deutschen Juden eine „Zentralstelle für ostmärkische Angelegenheiten" errichtet würde. Die Aufgaben dieser Zentralstelle würden sich nach.den verschiedensten Richtungen zu erstrecken haben. Wie Herr Wolff-Lissa in seinem Vortrag zutreffend ausführte, tritt in der Provinz Posen in der Regel an die Stelle eines abwandernden Juden ein Pole; es ist dies eine Tatsache, die wir schon völlig resigniert hinnehmen. Läßt sich aber hiergegen gar nichts tun? Was der „Verband der Sabbatfreunde" mit seinen sehr beschränkten Mitteln und in dem immerhin engen Kreise seiner Mitglieder erstrebt, das könnte in dem erheblich erweiterten Interessenbereich des „Verbandes der deutschen Juden" fraglos mit größerem Erfolge erreicht werden. Es gibt in den großen Städten eine Anzahl tüchtiger, strebsamer, junger Leute, die sich nach einer selbständigen Position sehnen, die aber wegen beschränkter Mittel den schweren Kampf gegenüber der übermächtigen Konkurrenz der Großstadt nicht aufnehmen können. Hier könnte die Zentralstelle eingreifen; die Geschäftsinhaber der

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