Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Zur Ostmarkenfrage
Date
1910-01-01
Page
5 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316793-2342670--19868-2342735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Ostmarken frage. 5 Es muß besonders anerkannt werden, mit welcher von jeder Uebertreibung freien Sachlichkeit die Herren Breslauer und Wolfs ihr reiches Material verarbeitet haben; man darf hoffen, daß der Appell an die Regierung kein vergeblicher sein werde. — Die in Thesen zum Ausdruck gekommene Forderung, die Regierung möge im Interesse der Gleichberechtigung, ebenso aber im Interesse des Deutschtums dafür sorgen, daß den Juden in den Ostmarken eine andere, bessere, gerechtere Stellung eingeräumt werde, ist fraglos durchaus berechtigt.' — Aber man darf von unserer Regierung weder zu viel verlangen noch zu viel erwarten. Man darf es wohl heute schon sagen, daß, selbst wenn die Verhandlungen des Verbandstages auf die Vertreter der Regierung einen tiefen Eindruck gemacht haben sollten, diese Wirkung auf dem weiten Weg bis zu den ausführenden Instanzen wenigstens zum Teil verpufft sein wird. Man kann aber auch schon deswegen nicht allzuviel von der Regierung erwarten, weil sie zwar manches bessern, in vielen Punkten aber uns nicht helfen kan n. Alle Gründe, die Herr Breslauer für die Abwanderung der Juden aufgeführt hat, sind zutreffend; aber wenn diese Gründe jetzt wegfielen, würde damit noch lange nicht der Abwanderung vollkommen Einhalt geboten sein, denn es sind für die Abwanderung noch andere Verhältnisse bestimmend, deren Gestaltung mehr in unserer eigenen Hand als in der Macht der Regierung liegt. — Wir dürfen und können nicht für alles die Regierung oder andere verantwortlich machen; wir müssen auch den Mut haben, zu bekennen: wir selbst sind nicht minder schuld. Und da muß es doch auch ausgesprochen werden: in manchen Kreisen hat die Abwanderung der Juden sich unabhängig von politischen, gesellschaftlichen und sozialen Einflüssen vollzogen; es haben insbesondere in den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Eltern ihre Kinder nach dem Westen, besonders nach Berlin geschickt, weil ihnen die Verhältnisse der kleinen Stadt zu eng geworden waren und sie ihre Kinder besseren, schöneren, bequemeren Lebensverhältnissen zuführen wollten. — Es ist in der Tat der Zug „nach dem Westen mit seinen besseren Erwerbsgelegenheiten", es ist der Zug aus den kleinen Städten in die großen Verkehrszentren, es ist der Wunsch nach bequemeren Bilduugsgelegenheiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.