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Im deutschen Reich · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. 729

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Der Organismus des Judentums von Dr. Jakob Fromer [Rezension]
Date
1909-12-01
Page
729 (sequence 7)
Language
German
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Bücherschau. 729 Würdigkeit der talmudischen Erzählungen kräftigst zu betonen und an einem ausführlichen Beispiel (Gittin 55 ff.), das keiner in seinem ganzen Umfange für eine wirkliche Begebenheit hält, zu belegen. Fromers Buch wagt (S. 169) die völlig aus der Luft gegriffene Behauptung: „Die Heranziehung des talmudischen Berichtes zu Geschichtszwecken ist bisher kritiklos gehandhabt worden", um sie unmittelbar darauf von selber durch den Zusatz einzuschränken: „Im allgemeinen hielt man ihn für glaubwürdig." Der Verfasser kann nicht scharf genug mit andern ins Gericht gehen, warum ist er gegen sich selber nicht eben so streng? Er prunkt mit einer gewissen Gelehrsamkeit, aber er vermag damit nur dem Laien zu imponieren, der Eingeweihte weiß, wieviel er davon Weißens Our ckor wedorschow, Frankels Darke Hämisch na, Grätzens Geschichte der Juden und anderen grundlegenden Werken zu verdanken hat, auch wenn er es nicht sagt. Wie sorgfältig und gewissenhaft er bei der Beweisführung vorgeht, dafür bietet ein lehrreiches Beispiel seine Erörterung über den relativen Wert des Talmuds (Seite 179 f.). Da bringt der Verfasser „zum Beweise, wie stark das talmudische Recht von römischen Elementen durchsetzt sei", zwei Proben, und „der Einfluß des persischen Rechtes", meint er, ,>brauche wohl nicht erst erwiesen zu werden". Ebenso eingehend werden die Beziehungen aller anderen Wissenschaften in vier Zeilen beleuchtet). Auch das Christentum kommt nicht besser fort. Reich fließt erst die Beredsamkeit, wo es wieder gilt zu kränken. Da finden wir folgende Ausführungen (S. 180): „Auf die Frage, wie verhält sich das Judentum zu fremden Kulten und ihren Anhängern? antwortet das Alte Testament: Intolerant, ungerecht, verleumdend (wenigstens im objektiven Sinne). Im Neuen Testamente, das ja die Wesenszüge des Judentums rein bewahrt hat, kommen dieselben Eigenschaften zum Ausdruck. Das traditionelle Christentum hat die Intoleranz, Ungerechtigkeit und Verleumdung dem Götzendienste und sonstigen fremden Religionen gegenüber bis auf den heutigen Tag treu bewahrt. . . . 1 Die Reihe beginnt mit: „Anatomie, Physiologie, Medizin . . Sind die beiden ersten aber nicht Unterfächer des dritten? Kann mau diese als neuen Wissenszweig danebensetzen?

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