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Im deutschen Reich · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. 728

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Der Organismus des Judentums von Dr. Jakob Fromer [Rezension]
Date
1909-12-01
Page
728 (sequence 6)
Language
German
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728 Im deutschen Reich. biblischen Judentum zu, indem er dieses mit dem Volksgeist verwechselt. Nun -ergeht eine neue Botschaft an uns: „Das Lalmudische Judentum kennzeichnet sich durch eine Hypertrophie des Intellekts und eine raffinierte Religiosität . . . Einem Raubtiere -gleich stürzt sich der Volksgeist auf die Tora, zerfasert sie, um dann, wenn sie ihm nichts mehr zu bieten vermag, auf alle Wissenszweige, die in seinen Gesichtskreis kommen, sich zu werfen und mit ihnen in gleicher Weise zu verfahren. Diesem Geiste entspricht die minutiöse, ausgeklügelte, ins Unendliche -gehende religiöse Praxis." (S. 34.) Diese Grundsätze, welche so schwere Anklagen enthalten, werden ohne Beweise hingestellt, und demgemäß wird auch weiter verfahren. Das Zentralorgan ist der Talmud oder vielmehr nur der gesetzliche Teil desselben. Das biblische Schrifttum mit all seinen herrlichen Schätzen wird kaum eines Blickes gewürdigt, lediglich die Satzungen der Tora finden-Erwähnung; um so ausführlicher ist die Schilderung der Entfaltung des mündlichen Gesetzes. Schon der haggadische Midrasch, an dem doch der Verfasser nicht ganz vorübergeht, hätte ihn belehren müssen, daß zum jüdischen Organismus noch viel mehr gehört. In Wirklichkeit zeigen die zahlreichen Lebensregeln und poetischen Erzählungen, die Haggada in Mischna und Gamara, zeigen die Charakterzüge der bedeutendsten Lehrer jener Zeiten, eines Hillel, Jochanan ben Sakkai, Akiba, Mei'r usw., wie himmelweit man davon entfernt war, trockene Buchstabengelehrsamkeit und pedantische Engherzigkeit zum Mittelpunkt des Lebens und Strebens zu machen; und um eine Vorstellung -von der „raffinierten Religiosität jener Jahrhunderte" zu gewinnen, genügt es, sich z. B. das Hauptgebet des Wochentages (Schemone-essre) oder das des Neujahrsfestes mit dem bekannten Qlenu-Gebet durchzusehen, Stücke, die noch heute den Stolz unserer Gebetsammlung bilden und deren Verfasser der talmudischen Zeit angehören. Man wird darin eine unübertrefflich hohe und weite Weltanschauung erblicken und aus der Tatsache, daß man diesen Gebeten einen so hervorragenden Platz angewiesen hat, schließen, daß ihr Inhalt allgenrein anerkannt und für heilig gehalten wurde. Der Verfasser geht darüber hinweg. Hingegen wird nicht vergessen, die geschichtliche Unglaub-

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