Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Der Organismus des Judentums von Dr. Jakob Fromer [Rezension]
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 727 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316790-2342540--19838-2342624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
Bücherschau. 727 mettt&e" ist das gottesdienstliche Leben mit fünf Zeilen abgetan, welche fünf Ausdrücke oder Stätten des Gebetes, wie gewöhnlich nach Nummern geordnet, enthalten. Von der eigentümlichen Feier der Feste oder vom Dereinsleben (Chebra kadischa u. a.) ist nicht die Rede; Begriffe wie Chasan, Mschamesch, Gabbai usw. gibt es nicht. Das sind nur einige von den Ausstellungen, welche wir gleich zu Anfang des Werkes zu machen haben, in einem Raume von zehn Seiten und auf einem Gebiete, auf welchem man dem Verfasser volle Sachkenntnis zugestehen müßte. Was vermag man da von dem folgenden zu erhoffen? Wir freuen uns über die scharfe, teilweise poetisch-gehobene Charakterisierung der heutigen Bewohner der syrischarabischen Wüste, um uns am Ende zu fragen: Ist es wissenschaftlich, das Wesen der nomadisierenden Hebräer vor etwa 4000 . Jahren dadurch erklären zu wollen? Das biblische Judentum, der Kern des jüdischen Geistes, wird in diefenr großen „Organismus des Judentums" in ganzen zwanzig Seiten behandelt, davon der Prophet (Nabi), sein Hauptträger, in drei Seiten mit den bemängelten zahlreichen Zeilenanfängen! Der Prophet will nach Fromer die Menschen bewegen, zur Lebens- und Anschauungsweise der guten, alten Nomadenzeit znrückzukehren. Von Mose, dem leuchtenden Mittelpunkt des Judentums, ist mit keinem Worte die Rede, ebensowenig von Jakob, dem Urtypus Israels! Der heutige Jomkippur wird „ein düsterer Versöhnungs- und Fasttags genannt. Der Verfasser sagt: „Das biblische Judentum kennzeichnet sich durch eine naive Religiosität und ein niedriges Denkniveau. . . . Man bleibt I . . . . so lange treu, als er das Land gegen den Feind beschützt; zeigt er sich schwach und unzuverlässig, daun geht man zu dem stärkeren und leistungsfähigeren Gotte des Siegers. Von einen: Streben, über diese einfältige Denkart hinauszukommen, den Geist irgendwie zu betätigen, zu schärfen, ist keine Spur vorhanden. Nicht minder naiv zeigen sich die .geistigen Führer dieser Zeit, die Propheten und Bahnbrecher." (S. 33.) Solch dunkle, verzerrte Züge schaut der Verfasser: wogegen gerade die Gottesmäuner mit aller Macht ankämpfen, das schreibt er dem