Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 705 (sequence 3)
- Language
- German
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Vereirrsnachrichten. 705 körper finden wir trotzdem bei den Gymnasien nur je einen etatsmäßi'gen Oberlehrer .und an einem Realgymnasium deren zwei, an einem anderen mit 25,5 o/0 jüdischer Schüler keinen. An den höheren Mädchenschulen war damals je eine ordentliche Lehrerin und außerdem noch eine Volksschullehrerin angestellt. Dank der Imitative des Herrn Direktor Adler in Frankfurt a. M. sind seitdem dort einige weitere jüdische Lehrkräfte angestellt worden, so daß das statistische Jahrbuch für das Königreich Preußen für das Jahr 1906 die folgenden Verhältnisse feststellen konnte: An öffentlichen Mädchenmittelschulen gab es 1901 noch 23, 1906 nur noch 15 jüdische Lehrer. Die Zahl der jüdischen Lehrerinnen an solchen Anstalten betrug 1901: 3 und 1906: 4. Dagegen waren an höheren Mädchenschulen statt 11 im Jahre 1901, 1906: 16 Lehrkräfte jüdischer Religion angestellt. ' ch ch Aber auch in den Schülerkreisen selbst herrscht Anti' semitismus. Er wird in unsere öffentlichen Schulen durch den konfessionellen Religionsunterricht geradezu hineingetragen. Daher wäre es am zweckmäßigsten, den Religionsunterricht aus den Schulen zu entfernen. Dies wäre zu fordern, nicht nur im Interesse des konfessionellen Friedens und der votklichen Eintracht im allgemeinen, nicht nur im Namen der konfessionellen Freiheit, nach der Religion die Privatsache eines jeden sein muß, sondern ebenso im Namen der Religion selbst, der es nicht förderlich sein kann, wenn sie in Paragraphen auseinandergerissen und in Pensen serviert wird. i Des weiteren haben wir unsere Kinder wehr tüchtig zu machen und sie mit dem Gedanken zu erfüllen, daß sie jede Beschimpfung des Judentums auf das energischste mit Wort und Tat zurückzuweisen haben. Aus dem gleichen Gesichtspunkt sind heute auch noch die schlagenden jüdischen Studentenverbindungen daseinsberechtigt. An und für sich ein Anachronismus und von keinem wirklich gebildeten. Menschen gutzuheißen, sind sie in diesem Zusammenhang ein Mittel der Ab- und Notwehr. So lange der Antisemitismus sich' noch auf den Universitäten breit macht, so lange sind diese Verbindungen berechtigt. Im übrigen sind wir dem Antisemitismus zu Dank verpflichtet. Er nötigt uns, unsere Kinder zu ganz besonders