Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 687 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 687 glauben geraubt, ohne daß von den maßgebenden Kreisen diesem. Treiben irgendwie Einhalt getan wurde.- In der agrarischen „Deutschen Tageszeitung" verwies erst kürzlich der bekannte hessische Antisemit Dir. Winterstein auf die von dem Grafen Gobineau als Schreckgespenst an die Wand gemalte „Arier-Dämmerung" und forderte „mehr Rassenbewußtsein". Dank der antisemitischen Wühlerei und der Begünstigung chauvinistischer Alldeutschen hat aber öev Aassenöünkel schon genug Verwüstungen in Deutschland angerichtet, den inneren Frieden des Reiches geschädigt und das Mißtrauen des Auslandes so wachgerufen, daß eine erfolgreiche auswärtige Politik erschwert worden ist. Niemals würden die russischen Diplomaten selbst bei den Leitern der französischen Republik und 'den radikalen Italienern Bundesgenossen gestunden haben, wenn nicht die antisemitischen Chauvinisten den Wahn verbreitet hätten, daß sie in Deutschland einflußreiche Politiker seien. Es ist deshalb erfreulich, daß einzelne deutsche Staatsmänner neuerdings sich offen über das gefährliche Treiben der den Antisemiten nahestehenden, aber bisher von maßgebenden Personen als Vertrauenspersonen betrachteten Alldeutschen abfällig geäußert haben. Graf Bernstorff, der deutsche Botschafter in Washington, hat in der „Akademie für Sozialpolitik" in Philadelphia kürzlich erklärt, Deutschlands Weltpolitik sei nur deshalb tut Auslande oft mißverstanden worden, weil man völlig bedeutungslose Phantastereien der „Pangermanisten" ernst genommen habe. Die deutsche Regierung betrachte aber diese Leute als ein sehr wenig wünschenswertes Element im deutschen Journalismus, weil sie im Auslande dadurch Mißstimmung gegen Deutschland Hervorrufen, daß sie Ziele behandeln, die über den Rahmen der praktischen Politik hiuausgeheu. Wie sich erwarten ließ, hat sich durch diese Aenßerung besonders die altdeutsche „Tägliche Rundschau" getroffen und zu Angriffen gegen den deutschen Botschafter veranlaßt gefühlt, dessen Aenßerung nur an solchen Stellen Befriedigung erwecken werde, „von denen die amtliche deutsche Auslandspolitik kräftigere Unterstützung erfahrungsgemäß nicht zu erwarten habe: im Ghettowinkel des Berliner Tageblattes, im Zentrumslager und