Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 685 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316790--19754-2342582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 685 sich 'dazu herbeilassen sollten, für die halbverkrachte Kreuzzeitungs-Partei die Kastanien aus dem Feuer zu holen, ist aber nicht anzunehmen. Das Spiel ist zu plump, als daß die klugen katholischen Politiker darauf eingehen sollten. Die Kreuzzeitung läßt sich von einem Parteigänger.schreiben: „Von antisemitischen Stimmungen in den katholischen Gegenden konnte man in letzter Zeit kaum noch reden. Hin und wieder sah man sogar die jüdische Bevölkerung als ein nicht unwillkommenes Gegengewicht wider die evangelische Mehrheit der Bevölkerung an. Sie verhinderte mit, daß Preußen den Charakter eines evangelischen Staates (statt eines paritätischen) annehme, was den katholischen Interessen Abbruch tun müsse. Dieses Urteil über die Juden scheint jetzt ungünstigeren Stimmungen zu weichen, seitdem die jüdische Presse in ihrem Uebermut versuchte, die katholische Kirche als solche mit der Schuld für den angeblichen Justizmord an Ferrer zu belasten. Dafür mag den Juden noch eine nicht sehr erfreuliche Rechnung geschrieben werden. Auch im Auslande haben sich übrigens die Juden bei der Ferrer-Hetze besonders hervorgetan, so in Rom der jüdische Bürgermeister und Freimaurer-Großmeister Nathan. So bewährt sich wieder die alte Erfahrung, daß die Juden an den von Zeit zu Zeit auftauchenden antisemitischen Strömungen fast immer selbst die Schuld tragen." — Worauf das fromme evangelische Blatt dabei abzielt, ist unverkennbar; es möchte die katholische Bevölkerung durch die blödsinnige Fabel von einer jüdischen „Ferrer-Hetze" zu einer mittelalterlichen „Judenhetze" aufstacheln und dadurch den Unwillen auch der katholischen bürgerlichen Kreise über den für sie keineswegs günstigen Bund des Zentrums mit den Konservativen, bei denen diese niemals die erwünschte „Parität" erlangen werden, auf die Juden ablenken. Erst machten die Begründer des schwarzen Blocks, den unglücklichen Ferrer, den Abkömmling katholischer katatonischer Bauern, zu einem Juden, und nun dies sich als unwahr erwies, versuchen sie es, die jüdische Presse zum Förderer der „Ferrer-Hetze" zu stempeln. Das ist, soweit es sich um von Juden geschriebene Blätter handelt, einfach unwahr. Jüdische Blatter b e g e i st e r n sich weder f ü r Atheisten, noch für A n a r ch i st e n. Derartiges