Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 684 (sequence 5)
- Language
- German
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684 Im deutschen Reich. Diese Landtagswahlen sind voraussichtlich nur die Einleitung zu dem' Schauspiel, das bei den Reichstagswahlen zu erwarten ist. Daß die Anhänger der „Kreuzzeitung" nicht auf die Warnungen des „Reichsboten" hören wollen, scheint jetzt schon seftzusteh-en. Statt zu erkennen, daß das antisemitische „Tivoli-Programm" und die agrarische Liebesgaben-Fabrikation den Konservativen nur geschadet hat, behauptet die „Kreuzzeitung", daß die Niederlagen der konservativen Sache in Sachsen und Baden nur dadurch wett gemacht werden könne, daß sich die konservative Partei nun erst recht auf ihre Grundsätze festlege, die soziale Betätigung des konservativen Geistes unter Führung der Kirche eifriger als bisher betätigen müsse. Daß dabei eine starke Dosis von Antisemitismus nicht fehlen dürfe, zeigte sie mit den Worten: „Es kann gar nicht genug beklagt werden, daß wir in Literatur und Kunst dem demokratischen Judentum, das sich durch sein brennendes Interesse für diese Gebiete des geistigen Lebens vorteilhaft auszeichnet, die Führung überlassen haben. Es beherrscht nachgerade nicht nur den geschäftlichen Betrieb des Buch- und Kunsthandels, der Musik, des Theaters, sondern bewährt sich auch produktiv von Jahr zu Jahr mehr. Da alle diese Elemente jeder Religion entfremdet sind, entsteht eine Literatur und Kunst, die dem Christentum feindlich ist und für alle Christen nur ein verächtliches, spöttisches Achselzucken übrig hat." Daß die Gesamtheit der Juden in Deutschland keine Spur von Christenseindlichkeit hegt, ihre eigene Religion hoch hält und für jede andere ehrliche religiöse Ueberzeugung jene Achtung hegt, die Spott von vornherein aus schließt, kann .der „Kreuzzeitung" ebensowenig fremd sein wie die Tatsache, Paß zu den Elementen, die jeder Religion entfremdet 'sind, ihre lieben antisemitischen Schützlinge gehören. Sie "glaubt aber trotzdem einen Rettungsanker für die schiffbrüchige konservative Sache im Antisemitismus zu finden und versucht es, öre Zeutrumskreise gegen die Juden aufznreizeu. Das; die Führer des Zentrums