Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 683 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 682 schlimme Lage noch vor den nächsten Reichstagswahlen zu überwinden. Vielmehr ist der „Reichsbote" von den Organen der konservativen Agrarier hart angegriffen worden, weil er den Mut hatte, seinen Parteigenossen die Worte entgegenzuschleuderu: „Wenn die Verhetzung gegen die Finanzreform, die indirekten Steuern und die konservative Partei so weiter geht, so erleben wir, wie der Aufschwung der Sozialdemokratie in Sachsen und Baden gezeigt hat, bei den nächsten Reichstagswahlen furchtbare Dinge. Auch. in Sachsen war der Ausfall der Wahlen eine Folge der Finanzreform, wenn auch die sächsischen Konservativen eine von der Reichstagsfraktion abweichende Stellung eingenommen hatten. Von den Liberalen ist eine Ueberwindung nicht zu erwarten, sondern von der konservativen Partei, aber es ist zweifellos, daß sie das nur durch eine versöhnende, die gegen sie gerichteten Vorwürfe als unbegründet darstellende Tat erreichen kann." Auch das offizielle Organ der sächsischen Konservativen, „Das Vaterland", hat, im Gegensatz zu der Renommisterei der agrarischen „Deutschen Tageszeitung", offen zugestanden, daß das Ergebnis der sächsischen Landtagswahlen eine Niederlage der konservativen Partei bedeute. Das Schicksal der antisemitischen Kandidaten, die sich der Illusion hingegeben hatten, im neuen sächsischen Landtage eine besondere „Wirtschaftliche Vereinigung" als Filiale der betreffenden Reichstagsgruppe bilden zu können, ist schon im ersten Wahlgange durch die Niederlage 'Oswald Z i m m e r m a n n s, des ehemaligen.Reformerhäuptlings, besiegelt worden. Die beiden Leipziger Kandidaten der Resormpartei sind in der Stichwahl ausgefallen; das gleiche Schicksal widerfuhr den antisemitischen Kandidaten im 9. und 22. ländlichen Wahlkreise. Mit dem Antisemitismus ist in Sachsen offenbar kein Geschäft mehr zu machen. Grotzherzogtnnr Baden haben die Konservativen nur durch die Unterstützung des Zentrums in den Stichwahlen einen Teil ihres bisherigen Besitzstandes gerettet. Daß aber dort die liberalen Blockparteien und die Sozialdemokraten bei den Stichwahlen fest -zusammenstanden, muß als ein Zeichen der Zeit gelten.