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Im deutschen Reich · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. 678

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Auch eine Quelle des Antisemitismus
Date
1909-12-01
Page
678 (sequence 3)
Language
German
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678 Im deutschen Reich. innert nicht nur an verschiedene seiner Landsleute, die den bekannten christlichen Bankier Sternberg, nachdem sie an dessen Gründungen Geld verloren hatten, sofort zum „Juden" machten und ihn trotz der gegenteiligen Feststellung seiner Konfession und Abstammung heute noch unserer Glaubensgemeinschaft zurechnen. „Sie werden es nie vergessen" erinnert mich persönlich noch an ein eigenes Erlebnis. Ich war in' Dresden mit einem in meinem Hause wohnenden Baron v. S. bei dem Gastmahl eines reichen Rentiers näher bekanntgeworden und rechnete es ihm hoch an, daß er sich bald darauf mißfällig über einen andern Herrn äußerte, der nach jenem Fest eine scherzhaft sein sollende Aeußerung über die jüdische Abkunft jenes Gastgebers hatte fallen lassen. S. begegnete mir seitdem mit auffallender Freundlichkeit und rühmte mir bei gelegentlichen Gesprächen besonders die jüdischen Inhaber eines Bankhauses, deren guten Ratschlägen er ansehnlichen Gewinn an Aktien und Staatspapieren verdankte. Sie hätten sich bei Abrechnungen stets weit honetter Verhalten als der christliche Bankier, mit dem er früher Geschäfte gemacht habe. Auf meinen Einwurf, daß ich keine Neigung zu Spekulationsgeschäften hätte, erhielt ich die Antwort: „Warum sollen denn die Bankiers allein von dem jetzigen Aufschwung profitieren?" Bei späteren Begegnungen merkte ich dann eine deutliche Abnahme seiner Freundlichkeit und zog mich so merklich von dem Herrn Baron zurück, daß er als Muster eines höflichen Kavaliers sich scheinbar zu einer Erklärung verpflichtet fühlte. Es'sei ihm peinlich, daß er mir gegenüber meine Glaubensgenossen, die Gebrüder £., so gelobt hätte, von denen er jetzt eine gegenteilige Meinung hege. Er habe in letzter Zeit große Verluste durch Kursrückgänge gehabt, die so schlaue Geschäftsleute sicher vorausgesehen hätten. Sich selbst hätten sie rechtzeitig aus der Schlinge, gezogen, ihm gegenüber aber ihre Pflicht nicht erfüllt, ihm bei dem höchsten Kursstand ernstlich zum Verkauf zu raten. Ich begnügte mich mit der Erklärung, daß ich solchen Geschäften fernstünd-e und auch mit den mir als höchst achtbar bekannten Inhabern jener Bankfirma gar keine näheren Beziehungen hätte. Da mich feine Antwort, die so klang, als ob alle Juden untereinander Verkehr pflegten^ verletzte, war damit unsere Bekanntschaft

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