Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Auch eine Quelle des Antisemitismus
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 677 (sequence 2)
- Language
- German
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Auch eine Quelle des Antisemitismus. 677 Krach". Ein u n e r h ö r L e r Kn r s st ur z der Hauptfach l i cf) }t e n S P e k u l a ti o n s p a p i e r e verschlang mit einem Schlage sein V e r rn ö g e n. Bis zu meinem Tode wird mir der Morgen unvergeßlich sein, an dem die Mutter mit - tränenerstickter Stimme sagtö: „Kinder, wir haben alles verloren!" Die Nacht hindurch hatte sie mit meinem Vater gewacht und geweint. Da beide von den Gläubigern das Aergste befürchteten, beschloß mein Vater auszuwandern. Nun begann eine schreckliche Zeit für unsere arme Mutter. Bald kamen die Gerichtsbeamten, um das Mobiliar für die Versteigerung zu notieren; bald erschienen ungestüme Gläubiger, welche unter den unflätigsten Schimpfreden gegen meinen Vater ihre Forderungen geltend machen wollten: bald kamen die lieben Verwandten, die sich auch in Verwünschungen ein Gütchen taten." Der Volksschullehrer schildert weiterhin die schweren Kämpfe, die seine Mutter durchzumachen hatte, seine eigene freudlose Jugend und fügt dann hinzu: „Gewiß trifft die Schuld zunächst unfern Vater, dann aber auch seine Verführer, die Juden und Judengenossen, welche damals den tollen Tanz um das goldene Kalb aufführten, und nicht zuletzt die Gesetzgebung, die einen solchen Schwindel Zuließ. Damit meinen Kindern eine ähnliche Katastrophe erspart bleibe, habe ich mich der Partei angeschlossen, die die Bekämpfung des Judentums auf ihre Fahne geschrieben hat. Dächten alle Opfer des „großen Krachs" samt Kindern und Enkeln so wie ich, so würden sie den Kern einer unbesiegbaren Angriffstruppe gegen das so unheilvoll wirkende Judentum bilden." Ich will es unerörtert lassen, wie widersinnig und eines denkenden Mannes unwürdig es ist, das Judentum oder die Gesamtheit der Juden für Mißerfolge verantwortlich zu machen, die nur darauf zurückzuführen sind, daß ein Familienvater sich auf Börsengeschäfte einließ, von denen er nichts verstand, und, statt sich mit kleinem Gewinne zu bescheiden, von blinder Gewinnsucht sich verleiten ließ, noch höhere Kurse abzuwarten, bis der rechte Augenblick verpaßt war oder die Verhältnisse sich ungünstiger gestaltet hatten. Der emeritierte thüringische Lehrer, der als Spekulant seine Familie in traurige Verhältnisse brachte, er-