Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / Weißberg, M.
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 655 (sequence 6)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 655 Schritt bewahren. Um unsere jüdischen Kinder für den ihrer harrenden Lebenskampf zu stärken, müssen wir ihnen Gegenwerte in ihrer Religion schassen. Wenn sie leiden müssen für ihr Judentum, so müssen sie auch das Wesen dieses Judentums kennen lernen, müssen sie in frühester Jugend schon zur Liebe für ihre Religion erzogen werden, müssen mit Stolz erfüllt sein, einem solchem Geschlecht anzugehören, und sich jederzeit offen zu ihm bekennen. Wenn wir Verständnis in unsere Jugend einpflanzen für die Größe unseres Glaubens, der Jahrhunderte überdauerte, dann wird auch ihr Herz gewappnet sein gegen alle Kränkungen, und sie werden es nicht als Mißachtung empfinden, wenn man ihnen das Wort „Jude" zuruft. Sie werden sich stolz dazu bekennen, werden die Demütigung nicht fühlen, weil sie für sie ja keine bedeutet, in dem stolzen Bewußtsein ein Jude zu sein. Und es wird ihnen nicht einsallen zu kriechen, sie werden ihr Haupt ebenso stolz erheben, wie andere, wenn es gilt, sich zu ihrer Religion zu bekennen. Ein jeder einzelne von uns muß daran arbeiten, daß immer mehr die alten Vorurteile schwinden, und die Zeit vorbereiten Helsen, wo wir uns eins fühlen dürfen mit unfern Mitmenschen, wo wir unfern Kindern völlige Gleichstellung in unserm geliebten deutschen Vaterlande erwirkt haben werden. Der von vorzüglichem'pädagogischem Verständnis zeugende Vortrag fand lebhaften Beifall und dürfte auf die überaus zahlreiche Zuhörerschaft einen nachhaltigen Eindruck erzielt haben. Mit herzlichen Worten leitete darauf Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher die Debatte ein, die sich durch die Teilnahme der Herren Rechtsanwälte Di. Brodnitz, Di. Czrelitzer, Prediger Abraham Levy, Lehrer Auerbach, des. Vereinssyndikus Herrn Rechtsanwalt Or. Holländer, Frau Kunz, Herr Schuhmachermeister A. Cohn u. a. m. sehr interessant gestaltete und auf die Anwesenden sichtlich anregend wirkte, bis die vorgerückte Stunde den Schluß der Versammlung veranlaßte. A. L. — Ein Glaubensgenosse in Pogorzela war von dem Amtsgericht zu Koschmin zu einem aus einen Sabbath anberaumten Termin als Zeuge geladen, bat aber mit Rücksicht darauf, daß er am Sonnabend weder fahren noch schreiben dürfe und unter Bezugnahme auf das Zeugnis des Herrn Rabbiner Di. Heppner in Koschmin um